Im Februar 1925 wurde das Verbot der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), welches 1923 nach dem Putschversuch Hitlers ausgesprochen worden war, wieder aufgehoben. Auch die Coburger Ortsgruppe wurde sofort wiedergegründet. Vorsitzender der lokalen Partei mit etwa 100 bis 150 Mitgliedern wurde wie schon vor dem Verbot der Partei Franz Schwede. Auch wenn Schwede und seine Parteigenossen Ernst Bernhardt und Georg Linke bei der Stadtratswahl vom Dezember 1924 für den „Völkischen Block“ ins Stadtparlament eingezogen waren und nun als Angehörige der NSDAP dort saßen, spielte die Partei parlamentarisch eine eher unbedeutende Rolle. Deshalb versuchte man, dem Vorbild Julius Streichers in Nürnberg folgend, durch künstlich erzeugte Skandale auf sich aufmerksam zu machen. Auf diese Weise vermochte man die Wahlerfolge von 1924 in der schwierigen Phase nach der Wiedergründung nutzbar zu machen. Dazu gründete man 1926 eine eigene Tageszeitung, den „Weckruf“.[1]

 


[1] Albrecht, Joachim: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. Die Coburger NSDAP während der Weimarer Republik 1922-1933. Frankfurt/Main 2005. (= Europäische Hochschulschriften. Reihe II. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Band 1008). S. 91, 94;„Voraus zur Unzeit“. Coburg und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Katalog zur Ausstellung der Initiative Stadtmuseum Coburg e. V. und des Stadtarchivs Coburg im Staatsarchiv Coburg. 16. Mai bis 8. August 2004. Coburg 2004. (= Coburger Stadtgeschichte. Band 2). S. 13;Hambrecht, Rainer: Zwischen Bayern und Thüringen – Coburg von 1900 bis 1945. In: Ein Herzogtum und viele Kronen. Coburg in Bayern und Europa. Aufsätze zur Landesausstellung 1997 des Hauses der Bayerischen Geschichte und der Kunstsammlung der Veste Coburg in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie und der Stadt Coburg. Hrsg. von Michael Henker und Evamaria Brockhoff. Augsburg 1997. S. 186-196. Hier S. 193.