Am 14. Januar 1923 wurde in Coburg eine Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gegründet. Am 16. Februar bestätigte die Parteizentrale in München, davon offiziell Kenntnis erhalten zu haben und schickte die Mitgliedskarten nach Coburg. Die Gründung war eine Folge des „3. Deutschen Tages“, der vom 14. bis 15. Oktober 1922 in Coburg stattgefunden hatte. Hitler hatte dort mit seinem kompromisslosen Auftreten so viel Eindruck gemacht, dass sich immer mehr Anhänger für seine Bewegung fanden. Erster Ortsgruppenleiter wurde der Elektrotechniker Riechers, sein Stellvertreter Oberinspektor Bergmann. Bergmann löste jedoch bald Riechers ab, jenen dann am 1. April 1923 der städtische Maschinenmeister Franz Schwede ablöste.[1] Mit Schwede betrat eine der schillerndsten politischen Figuren Coburgs im 20. Jahrhundert die Bühne. Er sollte die Coburger NSDAP zu einer der erfolgreichsten Ortsgruppen der Partei machen.[2]

Die Aktivitäten der Coburger NSDAP-Ortsgruppe bestanden hauptsächlich in der Abhaltung von Vortragsabenden, bei denen heimische und auswärtige Redner Propaganda für die NSDAP und deren Ziele machten, sowie Reden gegen die Weimarer Republik und gegen die Juden hielten.[3] Ihr radikales Auftreten, ihre fanatischen Züge sowie die Dynamik, die sie ausstrahlte, ließen die Coburger Ortsgruppe beständig wachsen und immer erfolgreicher werden.[4]

Parallel zur Gründung der NSDAP-Ortsgruppe trat ebenfalls eine Coburger Abteilung der SA unter Leitung von Hermann Behringer zusammen.[5] Auch die SA konnte ihre Mitgliederzahlen rasch steigern. So gehörten den „Braunhemden“ im September 1923 schon rund 600 Männer an.[6] Im Jahre 1926 folgte nach der Wiedergründung der Partei schließlich die Einrichtung einer Abteilung der SS in Coburg.[7]

Mit der Gründung der Coburger NSDAP-Ortsgruppe und der SA radikalisierte sich das politische Klima in Coburg. Gewaltsame Übergriffe waren ab jetzt an der Tagesordnung. Die politische Linke reagierte darauf mit der Bildung von Arbeiterwehren und schließlich des Reichbanners „Schwarz-Rot-Gold“ Anfang 1924.[8]

 


[1] Erdmann, Jürgen: Coburg, Bayern und das Reich 1918-1923. Coburg 1969. (= Coburger Heimatkunde und Landgeschichte. Reihe II. Heft 22). S. 119; Popp, Steffen: Coburgs Weg in den Nationalsozialismus 1919-1931: Die Etablierung des völkischen Antisemitismus und der Aufstieg der NSDAP. Offenbach am Main o. J. (Online unter: http://www.popp-art.com/files/text/Coburgs%20Weg%20ins%20Dritte%20Reich.pdf. Stand: 06. Januar 2010). S. 28; Albrecht, Joachim: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. Die Coburger NSDAP während der Weimarer Republik 1922-1933. Frankfurt/Main 2005. (= Europäische Hochschulschriften. Reihe II. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Band 1008). S. 84.

[2] Ebenda, S. 86.

[3] Ebenda, S. 84f.

[4] Ebenda, S. 85.

[5] Erdmann: Coburg, Bayern und das Reich 1918-1923. S. 119; Popp: Coburgs Weg in den Nationalsozialismus 1919-1931. S. 28.

[6] Erdmann: Coburg, Bayern und das Reich 1918-1923. S. 119; Popp: Coburgs Weg in den Nationalsozialismus 1919-1931. S. 28.

[7] Asmalsky, Ludwig: Der Nationalsozialismus und die NSDAP in Coburg 1922-1933. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit zur Prüfung für das Lehramt an den Gymnasien in Bayern an der Universität Würzburg. Würzburg 1969. S. 14.

[8] Albrecht: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. S. 88; Popp: Coburgs Weg in den Nationalsozialismus 1919-1931. S. 29.