Die Besucher diesseits und jenseits der DDR-Grenze im südthüringischen bzw. Coburger Raum, begrüßten sich zwar wie gewohnt mit „Gudn Daach“, waren aber häufig überrascht, dass man auf der jeweils anderen Seite des nun löchrig gewordenen „Eisernen Vorhangs“ den selben Dialekt spricht. Die über vierzigjährige Trennung hatte jedoch erhebliche Unterschiede in den Lebensstilen, alltagskulturellen Praktiken, beruflichen Arbeitshaltungen und politischen Anschauungen bewirkt.

Zur Erleichterung des gegenseitigen Kennenlernens, Verstehens und zukünftig engeren Zusammenlebens bildete sich in Coburg um die Jahreswende 1989/90 aus privater Initiative der Verein „Hüben und Drüben“, der mit stark administrativ geprägten Formularen grenzüberschreitende Kontakte ermöglichte und förderte. Der Verein ging von der zweistaatlichen Koexistenz von DDR und Bundesrepublik aus. Deutlich rasanter als erwartet, nutzte „die Politik“ das schmale Zeitfenster und bewerkstelligte den Anschluss der im Frühjahr 1990 gegründeten Länder an die alte Bundesrepublik. Damit verliefen die engagiert gestarteten Aktivitäten des Vereins „Hüben und Drüben“ im Sand hinter den fortschreitenden Stiefeln des Vereinigungsprozesses.