Die Bundesrepublik zahlte jedem Besucher aus der DDR ab 1971 das sogenannte Begrüßungsgeld, das sich im Lauf der Jahre bis auf 100,00 DM steigerte. Die Stadt Coburg „legte“ 10,00 DM „drauf“.

Bis in die späten 1980er Jahre konnte die Auszahlung angesichts der niedrigen Besucherzahlen des „kleinen Grenzverkehrs“ in einem kleinen Raum des Sozialamtes in der Nähe der Morizkirche abgewickelt werden. Da man alle Amtsgebäude mit dauerhaften plastischen Bronzetafeln ausstattete, durfte auch die „Zahlstelle für DDR-Besucher“ nicht fehlen: Im Sommer 1988 ließ man zwei Schilder hierfür anfertigen und montierte sie in der Mittleren Kirchgasse. Sie dokumentieren, dass man in Coburg ebenso wenig wie anderswo auch nur die Spur eines Gedankens an eine zeitnahe Wiedervereinigung mit der DDR verschwendete.

Als in der Nacht vom 9. November 1989 die Grenzen geöffnet wurden, strömten viele Tausende Menschen im Verlauf der folgenden Tage und Wochen nach Coburg. Das Besuchergeld zahlte man sehr bald in Turnhallen aus. Als am 31. Dezember 1989 diese Sonderleistung aus dem „Kalten Krieg“ eingestellt wurde, konnten die noch recht neuen Hinweisschilder abgeschraubt und dem Stadtarchiv als historisch gewordene Relikte der zu Ende gehenden Ära der deutschen Zweistaatlichkeit anvertraut werden.