Bahnhofstraße 25

Hier wohnte Bella Ludwig.

Hier wohnte Bella Ludwig, geboren am 16. Februar 1888 in Simmershausen.

Im Oktober 1919 kamen Bella Ludwig und ihr Mann Nathan Ludwig nach Coburg. Nathan Ludwig verstarb am 22. Juli 1939. Bella Ludwig wurde gezwungen ihr Haus zu verlassen und zusammen mit vielen anderen Juden, die noch in Coburg lebten, in die Ketschengasse 6 zu ziehen. 1941 musste sie Zwangsarbeit leisten. Am 27. November desselben Jahres wurde sie deportiert. Die Fahrt ging zunächst nach Nürnberg. Von dort aus wurde Bella Ludwig am 29. November in einem Sammeltransport nach Riga gebracht. Für diese Zugfahrt in den Tod musste die Coburgerin 60 Reichsmark bezahlen – ohne zu wissen, wohin die Reise gehen würde. Über den Transport nach Riga gibt es Berichte von Überlebenden. Diese besagen allesamt, dass die Reisebedingungen deprimierend gewesen sein müssen. Die Abteile waren völlig überfüllt, Verpflegung gab es keine. Als der Zug in Riga eintraf, war für die Neuankömmlinge gerade durch Massenmorde Platz geschaffen worden. Ein Zeitzeuge berichtete: „Es lagen noch Essensreste auf dem Tisch, und die Öfen waren noch warm. Später habe ich dann erfahren, dass kurze Zeit vor Eintreffen unseres Transports lettische Juden erschossen wurden.“ Die Gesamtzahl der aus dem Reichsgebiet nach Riga deportierten Juden wird auf 18.000 geschätzt. Soweit sie nicht unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurden, fielen die Juden den harten Lebensbedingungen und regelmäßigen Aussonderungen zu Opfer. Wer das Ghetto in Riga überlebte, wurde ab dem Sommer 1943 ins KZ Riga-Kaiserwald gebracht. Ob auch Bella Ludwig dorthin kam oder bereits im Ghetto ermordet wurde, ist nicht bekannt. Ihr Todestag wurde auf den 31. Dezember 1945 datiert.

Pate: Firma Atlas Bestattungen Coburg