Die „Jüdin“ Lina Töpfer erhielt 1937 letztmals einen Stadthausierschein mit der Erlaubnis, im
Stadtbezirk den Handel mit Strümpfen und Seidenwaren zu betreiben.
Lina Töpfer, geb. Stiebel, verwitwete Hösch wurde 1885 in Allendorf an der Lumda in
Oberhessen geboren. Ihr Vater, Joseph Stiebel. war Viehhändler. Sie war verheiratet mit Robert
Töpfer, städtischer Angestellter in Coburg und „arisch“. Lina Töpfer hatte zwei Söhne aus erster
Ehe, einen aus zweiter Ehe. Zwei ihrer Söhne waren im Zwangsarbeitslager, zwei ihrer
Schwestern kamen im Konzentrationslager um. Die Familie war nicht wohlhabend, aber Lina
Töpfer hatte ihr Auskommen und war stolz auf ihren Beruf. Sie verkaufte ihre Textilien gerne auf
den Märkten. „Frau Töpfer war immer gesund und immer fleißig“, erinnerte sich später eine
Kollegin. Bis zur Reichspogromnacht im November 1938, als sie mit allen anderen
jüdischen Familien verhaftet, durch die Stadt getrieben und festgehalten wurde, konnte sie
noch arbeiten. Frau Töpfer, die zu Kriegsende schon 60 Jahre alt war, versuchte im Juli 1945 einen Neuanfang mit
einem Textilgeschäft, musste dieses aber 1950 wieder aufgeben. Ein jahrelanges, quälendes Tauziehen um die
Ursachen ihrer angeschlagenen Gesundheit und um ihrem Anspruch auf staatliche Entschädigung
begann. Ein Gutachten des Gesundheitsamts von 1953 bescheinigte ihr zwar „dauernden
seelischen Druck durch die Angst um das Leben“, erkannte eine gesundheitliche Beeinträchtigung
aber erst ab dem Jahr 1942 an. Als Opfer der rassischen Verfolgung musste Lina Töpfer bis zu ihrem Tod immer wieder aufs Neue ihre „Schädigung durch den Nationalsozialismus“ nachweisen.

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