Gertrude Mayer war die Tochter von Justizrat und Notar Kuno Hirsch und Elisabeth Hirsch. Beide
wurden in Theresienstadt ermordet. „Ich war das einzige Kind und hatte eine sehr glückliche Kindheit. Wir waren vollständig assimiliert, und ich kannte eigentlich kaum einen Unterscheid zwischen Juden und Christen. Ich besuchte die Alexandrinenschule, hatte Freundinnen wie die anderen Mädchen auch und fühlte mich
nie als Außenseiter. Während des Ersten Weltkriegs waren wir patriotisch wie die anderen Coburger. Wir gingen zum Marktplatz, um die Siege zu feiern, und als der Krieg verloren war, waren wir aufs Tiefste betrübt.“
Ihre Isolierung begann damit, dass nach dem 1. Weltkrieg die Prinzessinnen von Hohenlohe bei schulischen Tanzveranstaltungen nicht wollten, dass Juden eingeladen würden. „Ich wurde nicht mehr zum Stiftungsfest
eingeladen. Ich musste mir anhören, wie sie auf die Juden schimpften. Meine Freundinnen
von der Alexandrinenschule schienen mich nicht mehr zu kennen und stellten sich, wenn wir uns in der Stadt begegneten, vor ein Schaufenster, um mich nicht grüßen zu müssen. Ja, es kam soweit, dass ich mit den
meisten in der Klasse nicht mehr sprechen konnte, weil sie mich ignorierten. Besonders die Pausen waren schrecklich, weil ich da meistens ganz allein herumstand. “
Brief von Gertrude Mayer an
Hubert Fromm, 1988

Gertrude Mayer studierte in München, Berlin und Würzburg, promovierte 1926 zum Dr. phil.
für Kunstgeschichte und arbeitete in den Kunstsammlungen auf der Veste.
1928 heiratete sie den Münchner Arzt Dr. Eugen Mayer und fand 1932 eine Betätigung in der
jüdischen Frauenschule in Wolfratshausen im Isartal. Die Schule war um diese Zeit
außerordentlich wichtig für Mädchen, die nach Palästina auswandern und hierzu Hauswirtschaft
und Landwirtschaft lernen wollten. Gertrude Mayer und ihrem Mann gelang es nach
Amerika auszuwandern. Bis ins hohe Alter blieb sie aktiv mit Kursen und kunstgeschichtlichen
Führungen im Jüdischen Museum New York.

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