Am 25. April 1933 erhielt Dr. Antonie Schiller, Leiterin der Wöchnerinnen‐ und Säuglingsfürsorge
in Coburg, die Kündigung des Stadtrats  aufgrund ihrer „rassischen Herkunft.“
Dr. Antonie Schiller gehörte zur ersten Generation weiblicher Medizinstudentinnen im
Kaiserreich. Sie studierte in Jena und München und bestand dort ihre ärztliche Prüfung am 10.
Dezember 1917. Seit Anfang der 20er Jahre praktizierte sie in Coburg.
Sie wurde am 27.8.1886 in Steinach geboren. Ihr Vater, Siegmund Schiller, jüdischer Kaufmann,
war aus Böhmisch Aicha eingewandert und hatte dort die evangelische Minna Greiner geheiratet,
Tochter des „1. Lehrers und 1. Mädchenlehrers in Steinach“ und dessen Ehefrau Johanne
Dorothea Christiane. Siegmund Schiller verpflichtete sich seine Kinder im evangelischen
Glauben erziehen zu lassen. „Nachdem die Eheverkündigung A an Reminiscere den
21. März 1886 vorgenommen war, an Judica den 11. April 1886 früh ½ 8 Uhr in der Kirche getraut. (1294).
In Gemäßheit des Reskripts des Oberkirchenrats vom 28. Januar 1886 hatten beide durch Protokoll vom 4. März
1886 die bündige Versicherung abgegeben, dass die in der Ehe erzeugten Kinder in der christlichen Religion erzogen
werden sollen.“ Aus dem Traubuch von Steinach


Der Mangel an Ärzten in Coburg führte dazu, dass Dr. Schiller 1944 wieder praktizieren durfte.
Ihre finanzielle Situation war jedoch sehr schwierig, wie ihre arische Hausangestellte, die
„alle Not mit ihr geteilt“ hatte, nach dem Krieg beschrieb. In mehreren Spruchkammerverfahren
führten Mediziner als Entlastungsargument an, Dr. Schiller unterstützt zu haben.
Dr. Antonie Schiller starb bei einem Krankenbesuch am 18.9.1944.

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