„Mein Vater war sehr stolz, dass er in der Lage
war mir nach nur 5 ½ Jahren in Amerika die
Universität zu ermöglichen.“
Anne Rubin


Die 11jährige Anne Forchheimer brachte nach einem Tag voller Angst – nachdem im
Morgengrauen des 10. Novembers 1938 die Coburger Juden zusammengetrieben und durch
die Stadt geführt worden waren ‐, den in der Turnhalle festgehaltenen Männern belegte Brote.
„Es war dunkel. Die flackernden Fackeln in der Menschenmenge vor der Turnhalle
verstärkten die Albtraum-Gefühle in meinem Inneren. Wir hörten: ‚Verbrennt die
verdammten Juden!‘“ Danach gingen Annes Vater und ihr Bruder Frank nach England.

Ihr Bruder Peter war schon Anfang 1937 nach Amerika geschickt worden. Ihr Opa
starb in dieser Nacht in Gotha. Ihre Oma beging Selbstmord, als die übrig gebliebenen Juden in
Gotha zum Transport aufgerufen wurden. Im Mai 1939 konnte Annes Mutter organisieren,
dass sie mit einem Kindertransport nach England entkam. Zwei Wochen vor Kriegsbeginn gelang es
auch der Mutter noch auszureisen. Im Frühjahr 1940 setzte die Familie ihre Flucht nach Amerika
fort. „Meine Eltern konnten nicht sehr viel mitnehmen auf der Flucht. Ich kann mich
nur an einen Koffer mit einigen wunderbaren Leinentischdecken erinnern – die schöne
Tafelwäsche aus dem Haus Alkan – und an einige religiöse Objekte – den Gebetsschal
meines Vaters, das Gebetbuch meiner Mutter und einen silbernen Becher für den Wein.“
Zusammen mit anderen Flüchtlingskindern war Anne in ihrer Schule bald unter den prämierten
Schülerinnen. Sie begann eine Ausbildung an der Ohio State University und machte 1950 dort ihr
Examen als Krankenschwester. Anne Rubin, geb. Forchheimer, 1927 in Coburg geboren

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