Am 7. November 1920 erfolgten im Amtsbezirk Coburg Nachwahlen für den bayerischen Landtag, da die offiziellen Landtagswahlen schon am 6. Juni stattgefunden hatten. Zum letztgenannten Zeitpunkt war Coburg jedoch noch kein Teil von Bayern gewesen. Erst ab dem 1. Juli gehörte Coburg zum bayerischen Freistaat. Damit die „Neubayern“ mit den ihnen im Staatsvertrag zugesicherten drei Abgeordneten im Landtag vertreten waren, war eine Nachwahl von Nöten.[1]

Die Wahl, bei der die Bayerischen Mittelpartei (DNVP in Bayern), die Deutsche Volkspartei und der Coburger Bauernverein mit einer gemeinsamen Liste antraten, brachte bei einer Wahlbeteiligung von nur rund 57% folgendes Ergebnis[2]:

 

USPD

SPD

DDP

Vereinigte Liste der Bayerischen Mittelpartei (DNVP in Bayern), der DVP und des Coburger Bauernvereins

Coburg insgesamt

Stimmen

%

 

1.914

7,44

 

8.429

32,74

 

6.958

27,03

 

8.442

32,79

Stadt Coburg

Stimmen

%

 

621

7,09

 

2.539

28,98

 

3.194

36,46

 

2.406

27,47

Bezirksamt Coburg

Stimmen

%

 

918

7,08

 

4.882

37,64

 

1.850

14,26

 

5.319

41,01

Stadt Neustadt bei Coburg

Stimmen

%

 

255

10,84

 

427

18,15

 

1.565

66,54

 

105

4,46

Stadt Rodach

Stimmen

%

 

118

12,00

 

367

37,33

 

241

24,52

 

257

26,14

Früher coburgischer Gebietsteil des Bezirksamts Hofheim (ehemals Amt Königsberg)

Stimmen

%

 

 

 

2

0,29

 

 

 

214

31,52

 

 

 

108

15,91

 

 

 

355

52,28

Bayern

Stimmen

%

 

383.614

12,93

 

486.528

16,39

 

240.375

8,10

 

401.936

13,54

 

 

Wahlberechtigte

Abgegebene Stimmen

Gültige Stimmen

Wahlbeteiligung in %

Coburg

45.670

26.124

25.743

57,20

Bayern

475.067

368.402

360.054

77,55

Erklärungen zur Tabelle:

USPD = Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

SPD = Sozialdemokratische Partei Deutschlands

DDP = Deutsche Demokratische Partei

DNVP = Deutschnationale Volkspartei

DVP = Deutsche Volkspartei

(Dass bei den dargestellten Ergebnissen der Landtagswahl die Anzahl der gültigen Stimmen aus der ersten Tabelle nicht mit der Gesamtzahl der gültigen Stimmen aus der zweiten Tabelle übereinstimmt und auch die Prozentangaben bei den Ergebnissen für das Land zusammenaddiert nicht 100 % ergeben, hängt damit zusammen, dass nicht alle Parteien in Coburg zur Wahl standen. In der ersten Tabelle fanden nur Parteien Berücksichtigung, die in Coburg kandidiert hatten. Aufgrund von Rundungen kann die 100 %-Marke unter- bzw. überschritten werden.)

Das Wahlergebnis führte dazu, dass die Coburger durch jede politische Richtung mit je einem Abgeordenten im bayerischen Landtag vertreten wurde, d. h. durch die Abgeordneten Max Oscar Arnold (DDP) und Franz Klingler (SPD) sowie Kurt Wilhelm Fromm (Vereinigte Rechtsparteien).[3]

 


[1] „Nicht durch Krieg, Kauf oder Erbschaft“. Ausstellung des Staatsarchivs Coburg anläßlich der 75. Wiederkehr der Vereinigung Coburgs mit Bayern am 1. Juli 1920. Coburg, den 1. Juli – 1. September 1995. Hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns. München 1995. S. 196.

[2] Wahlergebnis nach: Statistisches Jahrbuch für den Freistaat Bayern. 15. Jahrgang (1921). Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landsamt. München 1921. S. 528f. Siehe auch Keller, Gunther: Coburg und die Weimarer Republik. Der Staat von Weimar im Spiegel der Coburger Wahlen von 1918 bis 1933. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit zur ersten Prüfung für das Lehramt an Volksschulen an der Universität Bayreuth. Bayreuth 1981. S. 56.

[3] Coburgs Weg nach Bayern. Ausstellung des Bayerischen Staatsarchivs Coburg zur 50. Wiederkehr des Anschlussjahres 1920. Coburg, den 27. Juni – 12. Juli 1970. Hrsg. von Klaus Freiherr von Andrian-Werburg. Neustadt a. d. Aisch 1970. S. 24.