Ein Beitrag von Elisabeth Kraus

Eines Tages bekam das Theaterorchester vom abgedankten Herzogspaar eine Einladung, auf Schloss Callenberg ein Konzert zu veranstalten. Sie wünschten sich eine musikalische Unterhaltung. Meine Mutter wurde als Sopranistin verpflichtet. Dies war eine große Ehre, als Solistin vor dem Fürstenpaar zu singen. Bevor es zu diesem Auftritt kam, hatte sie wochenlang Herzklopfen und Lampenfieber – von der Hofetikette hatte sie schließlich keine Ahnung. Mutter wurde mit einem speziellen Automobil des Herzogs in Creidliz abgeholt. Bei dieser Fahrt zum Schloss glaubte meine Mutter auf Wolken zu schweben, spürte man beim Fahren doch keine Unebenheiten des Straßenpflasters und dies war etwas Besonderes. Darauf sprach sie den Chauffeur an. Er antwortete ihr, dass wegen eines Rückenleidens des Herzogs alle seine Automobile speziell konstruiert wurden.

Das Konzert wurde ein voller Erfolg. Gerade als das Orchester das Schloss verlassen wollte, bekamen die Solisten überraschend eine Einladung vom Herzogspaar zu einem Umtrunk und gemütlichem Beisammensein. Meine Mutter musste vor dem Orchester her gehen und sah sich Hilfe suchend um. Die Verunsicherung meiner Mutter bemerkte Viktoria Adelheid. Sie stand neben Carl Eduard am Ende eines großen Saales in einer Tür. Sofort kam die Herzogin auf halbem Weg meiner Mutter entgegen. Nochmals folgten die üblichen Lobeshymnen und Danksagungen. Nebenbei erzählte Viktoria Adelheid, dass auch sie Gesangsunterricht erhielt. Doch der Lehrer der Herzogin behauptete immer, dass sie das Material – die Stimme – schon selbst mitbringen müsse, würde sie doch wie eine Krähe singen. Ab diesem Moment war der Bann gebrochen und der weitere Verlauf des Zusammenseins verlief sehr leger. Später erzählte meine Mutter dieses Ereignis öfters, daher ist mit dieses schöne Geschichte in meinem Gedächtnis geblieben.