Ein Beitrag von Elisabeth Kraus

Als ich nun auf der Bildfläche erschien wurde die musikalische Tradition meines Elternhauses fortgeführt. Auch ich lernte im kindlichen Alter das Klavier spielen. Wir besaßen einen Steinway und Söhne Stützflügel aus Bayreuth – der Stolz meiner Familie. Ungefähr im Alter von 10 Jahren unterrichtete mich dann auch Hofkapellmeister Carl Fichtner in der Alexandrienstraße. Dort beeindruckten mich in der Parterrewohnung kostbare alte Möbel, viele Gemälde, Pokale, Trophäen und Fotos. Sie zeigten u. a. Frau Fichtner als erfolgreiche Sängerin. Diese Darstellungen faszinierten mich und trieben meinen Ehrgeiz an, auch etwas im musischen Bereich zu erreichen. So absolvierte ich die üblichen Fingerübungen auf dem Bechsteinflügel der Fichtners in diesem altertümlichen, großen Raum. Auf der Empore oberhalb stand ein zweiter Flügel, auf dem auch öfters mein Klavierunterricht stattfand. Außergewöhnlich war, dass ich als einfache Schülerin die liebevolle Zuneigung des Ehepaares spürte. Was ich nicht wusste, dass ihr geliebtes Töchterlein an einer Kinderkrankheit im kindlichen Alter plötzlich verstarb und sie selbstverständlich unter diesem Verlust sehr litten. Wegen meiner Ähnlichkeit zu ihrer Tochter spürte ich ihre Zuneigung und Sympathie. Dies erklärt auch die Gratulation und persönliche Widmung zu meinem 20. Geburtstag.