Nach Abschluss der Volksschule mit gutem Zeugnis, trotz häufigerer Anfertigung der Schular­beiten unterwegs auf einem Stein während des Schulweges, begann er zunächst als ersten Be­ruf die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Gehilfen. Lehrherr im praktischen Teil dafür war sein Vater Anton Stahn. Während er den „theoretischen“ Teil der Ausbildung von Oktober 1913 bis Ostern 1915 als sog. Fortbildungsschule absolvierte, die in der Dorfschule Wellmers­dorf durchgeführt wurde. Dort lernte er u.a. das für die Führung eines kleinen Betriebes erfor­derliche Formularwesen. Einige interessante Bespiele hierfür finden sich in der Anlage. – Al­lerdings ist Schriftverkehr oder Buchführung eine von ihm sehr ungeliebte Tätigkeit, wie wir Kinder es als spätere Zeitgenossen gut in Erinnerung haben.

Nach Abschluss der landwirtschaftlichen Ausbildung ging er verstärkt seinen technischen Nei­gungen nach. Zugang zu den spannenden Einflüsse der neuen technischen Welt fand er in der nahen Kleinstadt Neustadt b. Coburg, die damals schon einige aufstrebende Industriebetriebe, vor allem Spielwarenbetriebe und Maschinenbau, besaß. Willys technische Faszination fand dort kräftige Nahrung. So begann er, Kontakte zur Maschinenfabrik Rudolph Bagge in Neu­stadt anzuknüpfen, in der er vom 20. Dezember 1915 bis Weihnachten 1916 ein technisches Praktikum absolvierte. Im Zuge seiner Tätigkeit in der mechanischen Werkstatt entwickelte er u.a. seine Kartoffelsetzvorrichtung zur technischen Reife und ließ sein erstes Gebrauchsmuster 1916 unter dem Namen seines Vaters amtlich registrierten. In dieser Zeit baute er sich nach einem Bauplan ein Automobil nach, um selbst an der Leit-Innovation der damaligen Zeit, dem aufstrebenden Automobilbau, teilzunehmen,. Die Karosserie war aus Holz und mit Kupfer­blech beschlagen, was sehr teuer war, wie er dieses Projekt später einschätzte – über die Funk­tionstüchtigkeit des Autos ließ er sich bei der Erzählung aber nicht aus.

Mit diesem aktiven Einstieg in die technische Welt stellte er wohl die Weichen für seinen späteren Lebensweg. Seine große Neugierde für alles Interessante in der Welt, insbesondere der Wunsch, selbst richtungweisende neue Erfindungen mitzugestalten, ließen ihm ein künf­tiges Leben auf dem Dorf kaum noch erstrebenswert erscheinen. Vermutlich war die Land­wirtsrolle für ihn zunächst auch wenig aktuell, weil der ältere Bruder Wilhelm Nachfolger werden sollte und weil Willy sich mit seinem alten Vater (48 Jahre älter als er) nicht besonders gut verstand. So weihte der alte Stahn seinen jüngeren Sohn auch nicht in sein besonderes Ge­heimwissen ein (Anton Stahn galt als Heilkundiger der Gegend und manchmal sogar als „He­xer“). Die Frage einer Nachfolge stellte sich erst sehr spät an Willy, als der ältere Bruder un­gefähr 1917 als Soldat an der Westfront an Typhus starb. Zu diesem Zeitpunkt musste die Nachfolgefrage offen bleiben, weil Willy selbst zur gleichen Zeit selbst als Soldat an der Westfront war und die mörderischen Grabenkämpfe auch seine Rückkehr ungewiss machten.