Der Coburger Kulturamtsleiter Steiner Kulturamtsleiter wandte sich 1950 an den FDP-Oberbürgermeister Langer, um ihn für die Neugestaltung des Stadtwappens zu gewinnen:

„Alle Bemühungen um die […] Verdrängung der bisher meist üblich gewesenen Negerkarikaturen mit lächerlichen oder gar abstossenden Gesichtszügen durch den vergeistigten Kopf eines römischen Heerführers von dunkler Hautfarbe, müssten letzten Endes unfruchtbar bleiben, wenn es nicht gelingen sollte, diesen, den wahren Coburger Mohren = Mauren, der Coburger Bevölkerung nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich näher zu bringen.

Eine künstlerisch einwandfreie und auch menschlich sympathische Darstellung des Mauren ist nun endlich […] in dem Steinbild vom Westchor der Moritzkirche gottlob auch gewonnen und hoffentlich für alle Zeiten sichergestellt.

Unter den Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, welche im 3. Reich von Wien nach Nürnberg gebracht worden waren und dort offenbar in den Besitz unserer dermaligen Feinde gelangt sind, befand sich auch das Schwert und die Lanze des Mauritius. […] Wäre es da nicht eine bedeutende Bereicherung […], wenn es gelänge, eine originalgetreue Nachbildung dieser Kostbarkeiten hierher zu bekommen und […] zur Schau zu stellen. […]

Sicher liesse sich durch diese Embleme der deutschen Kaiser die Gestalt des Mauritius der Coburger Jugend und wohl auch der Bevölkerung näher bringen […]. An Stelle der Verachtung und Verspöttelung des meist hässlich und als Menschenfressertyp dargestellten Negers aus Zentralafrika würde dann wohl eine gewisse Achtung Platz greifen müssen, wenn nicht gar Stolz auf den Bekennermut unseres Moritz und eine gewisse Ehrfurcht vor seinem selbstgewählten Schicksal. […]

Die Idealgestalt des für seine Weltanschauung in den Tod gegangenen Heerführers Mauritius kann dies besser und schöner darstellen, zumal die Geschichte Coburgs in seinem Protestantismus und in seinem Verhalten im dreissigjährigen Krieg gleichartige Züge heldischen Geistes und weltanschaulichen Bekennermutes aufzuweisen hat.“ (Staatsarchiv Coburg, Kunstsammlung 169, Steiner, 28.12.1950).

Auf des Basis des – nicht zuletzt das einführend erwähnte Widerstandsmotiv repetierenden und den frühchristlichen Heiligen Mauritius für den Protestantismus vereinnahmenden – Memorandums von Steiner fand ein Gestaltungswettbewerb statt, in dem der Kopf des „Coburger Mauritius“ von der Morizkirche als Grundlage vorgeschrieben war. Der Entwurf von Erich Lage (1906-1981) wurde ausgewählt und 1953 als rechtsgültige Gestaltungsnorm festgelegt.