Mohrenstraße 9b

Hier wohnten Margarethe und Alfred Plessner.

Margarethe Plessner wurde am 24. Juni 1892 in Gerdauen, in Ostpreußen geboren, Alfred Plessner am 6. Februar 1887 in Coburg. Alfred Plessner war von Beruf Kaufmann. Er hatte kein eigenes Geschäft, sondern ging von Tür zu Tür und bot seine Waren an. Außerdem war Plessner Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Das Ehepaar gehörte zu den letzen Juden, die noch in Coburg lebten. Es bekam die ständig voranschreitenden Repressalien, die Unterdrückung und die Verdrängung der jüdischen Mitbürger aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben am eigenen Leibe zu spüren. Am 22. September 1941 teilte Alfred Plessner den Stadtoberhäuptern folgendes mit: „Seit längerer Zeit werden die Juden in Coburg durch die Friseure nicht mehr bedient. Die Juden sind in der letzten Zeit immer nach den umliegenden Orten gefahren, um sich die Haare in Ordnung bringen zu lassen. Durch die Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden ist es Juden verboten, den Bereich ihrer Ortsgemeinde zu verlassen, ohne eine schriftliche Erlaubnis der Ortspolizeibehörde bei sich zu führen. Um die Verwaltungspolizei nicht ständig durch solche Gesuche zu belästigen, richte ich an den Herrn Oberbürgermeister der Stadt die ergebene Bitte, die Angelegenheit doch mit der betreffenden Stelle nochmals zu besprechen, damit eine Bedienung hier in Coburg stattfinden könnte.“ Zwei Wochen später machte Plessner den Vorschlag, Räume in den Wohnungen dreier Juden abwechselnd für je vier Monate zur Verfügung zu stellen. Da auch diese kleine Bitte zu größeren Problemen führte, erklärte sich Alfred Plessner bereit, sich selbst zur Bedienung der Juden ausbilden zu lassen, wenn er die Genehmigung hierzu erhalte. Die letzte Bemerkung zu dieser Angelegenheit stammte vom Gewerbeamt und ist auf den 2. Dezember 1941 datiert. Darin heißt es: „Die Weiterbehandlung der Angelegenheit ist nicht mehr erforderlich, da in der Zwischenzeit der Abtransport der Juden auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei nach Bamberg und Nürnberg erfolgt ist.“ Das Ehepaar Plessner wurde am 27. November deportiert und ins KZ nach Riga gebracht. Von dort kehrten die beiden nie zurück.

Pate Margarethe Plessner: Ulla Trier

Pate Alfred Plessner: Elga Mangold und Volkmar Henke