Ein Bericht von Ulrich Göpfert, Coburg 2010

Riesengroßen Schabernack trieben wir als Konfirmanden mit den ein Jahr jüngeren Präparanden, die eine Stunde vor uns ihren Unterricht im Pfarrhaus absolvierten.

Als die Stunde zu Ende war, und sie aus der Tür des Pfarrhauses traten, bekamen sie eine „Ladung Schneebälle“ ab. Doch die Strafe folgte auf dem Fuß. Pfarrer Keller war nicht kleinlich und verpasste garantiert jedem, den er beim Blick durch das Fenster bei diesem Treiben sah, eine „Tracht“ mit dem nicht sehr begehrten Weidenstock. Zusätzlich notierte der Herr Pfarrer fein säuberlich den Namen des Ertappten in seinem Notizbuch.

Geschadet hat es keinem von uns. Die „Tracht“ fiel fast immer auf „Gut Land.“ Was für uns Buben viel peinlicher war, war das anschließende Nachsitzen bei den Mädchen, die dann eine Stunde später ihren Unterricht hatten. Dies verordnete uns Pfarrer Keller, wenn wir wieder einmal unsere Hausaufgaben nicht in der Form erledigt hatten, wie sie von ihm aufgetragen und gewünscht waren.

Verrückte Streiche
Im Garten des Pfarrhauses stand ein schöner alter Kirschbaum, der im Sommer wunderschöne große,  wohlschmeckende rote Früchte trug. Da wir das wussten, waren wir weit vor der Zeit des Unterrichtes im Garten des Pfarrers eingetroffen und labten uns, an den süßen Kirschen. Dabei  trieben wir außerdem so mancherlei Unfug und dachten uns immer wieder verrückte Streiche aus.

Aber wir hatten die Rechnung ohne den Wirt bzw. den Pfarrer gemacht. Dieser hatte unser lustiges Treiben vom Unterrichtsraum des nahen Pfarrhauses aus schon längst bemerkt und wie immer die einzelnen Übeltäter ausgeguckt und akkurat in seinem „Sündenbuch“ verzeichnet.

Sitzprobleme
Das „Strafgericht“ folgte am Anfang der folgenden Unterichtsstunde in der gewohnten und bewährten Weise. Dabei ist es schon mal vorgekommen, dass mancher „Delinquent“, des längeren in gebückter Haltung mit schmerzverzerrtem Gesicht in seiner  Bank stand, bevor er sich langsam auf seine „fünf Buchstaben“ setzen konnte.

Am 7. April 1963 wurden wir alle von Pfarrer Johann Keller in der evangelisch-lutherischen Trinitatis-Kirche zu Unterlauter, nach vorher empfangener ausführlicher Unterweisung im Worte Gottes, konfirmiert. Mein Konfirmationsspruch lautete: „Bleibet in meiner Liebe“, Johannes 15, Vers 9.

Abschied von der Kindheit
All dies bleibt in meiner Erinnerung als eine schöne Zeit im Hinterkopf gespeichert. Gleichzeitig war diese Phase ein einschneidender Punkt in meinem Leben. Galt es doch  Abschied von der Kindheit zu nehmen, denn im darauf folgenden August 1963 begann meine Lehrzeit als Industriekaufmann bei der Bauunternehmung Strobel in Coburg.