Ein Bericht von Joachim Kortner, Coburg 2010

Der Aufnahmeort ist der heutige Teil der Brückenstraße, die damals nur eine Sackgasse war und noch keinen Durchstich bis zur Lossaustraße hatte. Im Hintergrund die Kreuzung von Raststraße und Brückenstraße. Rechts im Bild ein Gebäudeteil der Firma Greif & Schlick (Fahrradfabrik).

Die Kleidung ist zeittypisch. Selbst genähte Flanellhemden der Jungen, unter der Bettmatratze (Stromkosten) gebügelte Hose des Vaters. Trotz der Ärmlichkeit war man um ordentliches bürgerliches Aussehen bemüht.

Mein Bruder trägt eine viel zu große Lederhose aus einer Spende der Caritas und die geschenkten hohen Damenschuhe der Frau, bei der wir in Untermiete wohnten. Besonders stolz war ich auf meinen olivgrünen, aus einem schweren Nylongeflecht bestehenden Ammigürtel, der mir natürlich viel zu weit war und den ich für das Foto mit den Händen hinter dem Rücken straffte. Unsere Mutter (48) steht zwischen meinem Bruder Wolfgang (r.) und mir (l.), mein Vater 51 (Angestellter der Vereinigten Coburger Sparkassen) rechts außen.

Zu dem Treffen waren – was damals noch möglich war -die drei Schwestern meiner Mutter aus Sondershausen, Erfurt und Görlitz angereist. Die Existenz einer vierten Tante („Raststraße“ Episode „Das Mädchen aus dem Album“), die als neunzehnjähriges Mädchen wegen ihrer vererbbaren Hüftgelenkluxation von den Nazis ermordet wurde, war unser dunkles Familiengeheimnis. Mein Bruder und ich deckten es erst ca.10 Jahre später auf.