Von Hans-Jürgen Schmidt, Helmut Götz und Wolfgang Schneider, Coburg

Eine Anpassung der Organisation der Coburger Stadtpolizei wurde durch die damit verbundenen Objektschutzmaßnahmen dringend erforderlich, da aufgrund der weltweiten Verbindungen des Coburger Herzogshauses seit dem frühen 19. Jahrhundert und der Sammelleidenschaft der jeweiligen Herzöge unersetzbare kunstgeschichtliche Kleinode zu bewachen waren und Coburg mit seiner Veste die neben der Lutherstadt Wittenberg wichtigste Luthergedenkstätte und umfangreichste Sammlung Lutherischer Schriften beherbergte.

Von den Einberufungen zum Heeresdienst, so schrieb 1922 Polizeiinspektor a.D. Rauschert, blieb auch das Polizeikorps der Stadt Coburg, das bei Kriegsausbruch 1914 aus dem Polizeiinspektor, Polizeiassistenten, Polizeiwachtmeister, zwei Kriminalbeamten und zwölf Polizeisergeanten bestand, nicht verschont. 13 Beamte wurden zu den Fahnen gerufen und haben den Krieg bis zum Ende mitgemacht. Zwei von ihnen, die Polizeisergeanten Hellfeld und Fischer, sind gefallen, einer (Müller) gilt als vermisst. Am 6. August 1914 bestand die Coburger Polizei nur noch aus sechs Beamten. Als Ersatz für die ins Feld gerückten Beamten wurden nicht mehr felddienstfähige Männer aus dem Handwerker- und Gewerbestand als Hilfsbeamte zur Ausübung des Polizeidienstes berufen. Dieser Mangel an Polizeibeamten machte sich oft recht unangenehm bemerkbar, insbesondere aufgrund der gegen Kriegsende steigenden Kriminalität sowie der zahlreichen neuen Aufgaben, die der Polizei zugewiesen wurden, so etwa die ständige verschärfte „Fremdenkontrolle“ und Überwachung der in Coburg ansässigen Ausländer feindlicher Staaten in ihren Wohnungen und auf dem Polizeiamt bzw. der Polizeiwache, der Schutz von Bahnübergängen und Straßenkreuzungen, Lebensmittellagern, Futtervorräten, Mühlen und sonstigen lebensnotwendigen Betrieben. Zahlreiche Rohstoffe wurden auf Veranlassung der Heeresverwaltung zur Sicherstellung des Metalls bei Behörden, Anstalten und Privatleuten zwischen 1915 und 1918 beschlagnahmt, Goldmünzen durften im Zahlungsverkehr nicht mehr verwendet werden und 1916 wurde für ihren Ankauf ein Ehrenausschuss für das ehemalige Herzogtum Coburg organisiert. Wucher- und Schiebertum breitete sich in bisher nicht gekanntem Maße aus und trug zu erheblichen Teuerungen bei, dies führte zur Unzufriedenheit der Bevölkerung und politischen Streikbewegungen. Es kam hierbei jedoch nicht zu nennenswerten Ausschreitungen. Innerhalb der Stadt mussten Reservelazarette in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Fabriken und Hotels eingerichtet werden. Für die Dauer des Krieges wurde durch den Magistrat der Stadt Coburg die Polizeistunde zunächst auf 1.00 Uhr nachts festgelegt, später auf 23.00 Uhr. Erst 1919 wurde diese Regelung wieder aufgehoben und auf 24.00 Uhr verlängert.

Zur Unterstützung der Polizeiverwaltung bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie zum so genannten „Selbstschutz“ bildeten nicht Militärpflichtige und nicht militärtaugliche Einwohner Coburgs am 21. September 1914 freiwillig eine „Bürgerwehr“. Am 23. November 1914 nahm sie mit einem Kommandanten, Anton Jakobi, zehn Zugführern und 190 Mann ihren Wachdienst während der Nacht auf, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Der Nachtdienst wurde von jeweils neun Mann von 21.00 bis 1.00 Uhr und von 1.00 Uhr bis 5.00 Uhr versehen. Gekennzeichnet waren sie durch Armbinden mit dem Aufdruck „Bürgerwehr“. Im Mai 1915 wurde der Dienst der Bürgerwehr, die auf 263 Mann angewachsen war, mit dem Dank des damaligen Oberbürgermeisters Gustav Hirschfeld wieder eingestellt, da in Coburg zahlreiches Militär stationiert war, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. In 58 Landgemeinden bestanden Bürgerwehren weiter.

Mit zunehmender Not begann auch im Herzogtum das Hamstern von Nahrungsmitteln. Die Gendarmerie wurde als Lebensmittelfänger am Stadtrand postiert, um die Lebensmittel zu beschlagnahmen, denn „Hamstern“ war verboten.

Unter Führung des Schreinermeisters und Landsturmmannes Reinhold Artmann als dem Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates unterstellte sich dieser nach einer Demonstration am 11. November 1918 die Stadtverwaltung und die herzogliche Regierung. Am 14. November 1918 verzichtete Herzog Carl Eduard auf seinen Thron.

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Info: EPHK a.D. Hans-Jürgen Schmidt, Jg. 1937, gehörte von 1956 bis 1997 dem Bundesgrenzschutz an und war langjähriger Einsatz und Ausbildungshundertschaftsführer.

Helmut Götz, Jg. 1934, trat 1953 in die Bayerische Bereitschaftspolizei ein und versah danach Dienst als Stationsbeamter der Bayerischen Landpolizei. Ab 1958 gehörte er der Stadtpolizei Coburg an, zuletzt als Leiter der Schutzpolizei. Von 1972 bis zu seinem Ruhestand 1994 leitete er die Station Coburg-Stadt der Bayerischen Landespolizei.

PHK a.D. Wolfgang Schneider, Jg. 1947, versah von 1968 bis 1999 Dienst im Bundesgrenzschutz.