„Es lebt der Herr von Katzenkopf mit  seiner Frau, die hat kein` Zopf! Vit – vat – hoch!“

Ein ehemaliges „Coburger Kinder- und Schulfest“ mit einer jahrhundertealten Tradition.

Wir Kinder wurden für dieses Fest mit unserer besten Sonntagskleidung, die Mädchen mit einem Blumenkranz im Haar und die Buben mit einer Rose am Hemd, geschmückt.

In Coburg lässt sich erstmals im Jahr 1550 ein Schulfest am Tag des Papstes Gregor I., dem 12. März, nachweisen. Gregor I. gilt als Förderer von Schulen und Kirchengesang und wurde so zum Schutzpatron der Jugend, dem viele Schulen in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz und Belgien mit einem Gregoriusfest gedachten. Zunächst war es lediglich ein Umzug der Schulen, den ein als Bischof verkleideter Schüler anführte; dazu kamen als wesentliche Bestandteile die Aufführung von Schultheaterstücken, in denen dem Zeitgeist entsprechende Werke antiker Autoren oder biblischmoralisierende Stücke geboten wurden.

Als Coburger Besonderheit gilt zum einen die Verlegung des Gregoriusfestes auf die letzte Woche vor den Schulferien, zum anderen das Mitführen eines überdimensionalen Katzenkopfes, den sich ein Schüler aufsetzte. Ihn und seine Frau ließen die Kinder hochleben: „Es lebt der Herr von Katzenkopf und seine Frau, die hat kein`Zopf! Vit – vat – hoch!“

Woher diese Tradition kommt ist nicht bekannt. Leider wurde das traditionsreiche „Gregorius- Kinder- und Schulfest“ ab 1972 in dieser Form eingestellt, seit dieser Zeit feiern die Coburger Schulen ihre Feste getrennt.

Der Heimatdichter Fr. Hofmann schrieb vor über 100 Jahren:
Grijorghes! Grijorghes! Die Lust unn die Fräd! War zehlt euch die Kinner z`samm ner überhäd? Die Rüthla mit Bendern, unn Braz`n die Meng`, unn Fahnla unn Musik unn Brotwörscht net wenig. Wie wimmelt der Anger, dar is rappelvoll, unn die Alten senn fast wie die Kinner so toll. Unn do labt halt heit der Herr von Katzenkopf Vit-vat-hoch! unn sei Frah hot beinah scho an Zopf.

Die Queen Victoria (deren Prinzgemahl Albert aus dem Hause Coburg stammt) war beim Gergoriusfest am 22. August 1845 in Coburg auf dem Ketschenanger anwesend und schrieb darüber einen Eintrag in ihr Tagebuch am 30. Augsust 1845:
Die Schulkinder von Coburg ziehen verkleidet als „Hirten, Postillione, Griechen, Räuber, Soldaten, Höflinge längst vergangener Zeiten, mit erstaunlichen Zöpfen“ in Zweierreihen an einem Pavillon auf dem Anger vorbei, in dem die königliche und herzogliche Gesellschaft Platz genommen hat. Der Pavillon, „wo wir uns niederließen um zu dinieren, war geschmückt mit Blumen und an den Seiten offen“.

Zunächst begannen die Kinder „Theaterspiele und Tänze aufzuführen“, um sich anschließend mit „gekochten Würstchen, in heiße Brötchen gehüllt, vollzustopfen“. Die Mädchen gingen in Weiß gekleidet und Jungen trugen sonderbare Phantasiekleider“. Dieses jährlich wiederkehrende Fest fand auf dem Anger statt, einem weitläufigen offenen Platz südlich der Stadt, außerhalb der alten Stadtmauern gelegen. Üblicherweise wurde die Veranstaltung am Tag des heiligen Gregorius abgehalten, jedoch war der Termin verlegt worden, so dass die Feier mit dem Besuch der Königin zusammenfiel.

Am 28. Juni hatte Prinz Albert seinem Bruder geschrieben, dass er sich vorstellen könne, es würde der Königin ein großes Vergnügen bereiten, das Kinderfest zu sehen und auf dem Anger zu dinieren: „Was, ich glaube, Victoria viel Freude machen würde, wäre den Kinderaufzug von Gregorius zu sehen, ein Dinner auf dem Anger würde ihr ganz neu sein und echt Koburgisch, mit allen den Bauern vom Land, die bei solchen Gelegenheiten hereinströmen und deren verschiedene Costüme Victoria sehr amüsieren“.

Die Königin hielt das Fest tatsächlich für „eines der hübschesten Dinge, die ich jemals gesehen habe“.
Wie die Illustrated London News (6. September 1845) kommentierte, dass das Fest einem Jahrmarkt glich, jedoch ohne dessen unanständige Zügellosigkeit.