Ketschengasse 6

Hier wohnten Berta und Simon Rothschild. Berta Rothschild wurde am 10. Mai 1880 in Oettingen geboren, Simon Rothschild am 19. November 1867 in Krautheim. In ihrem Geschäft, hier in der Ketschengasse 6, verkaufte das Ehepaar Manufakturwaren. Auch die Rothschilds hatten unter den zahlreichen Boykottaktionen zu leiden. 1931 bekam das Ehepaar auf offener Straße die Diffamierungen durch die Nazis zu spüren: Es war ein regnerischer Sonntagabend, als die beiden Rothschilds am Haus Ecke Spitalgasse/Mohrenstraße vorbeikamen und völlig unerwartet ein junger Nazi auftauchte. Der Mann versetzte Simon Rothschild  einen Schlag mitten ins Gesicht. Simon Rothschild wollte dem Täter nachlaufen und rief: „Haltet ihn auf!“ Aber niemand von den Passanten auf der Stra0e machte Anstalten zu helfen.
1938 benötigte auch das Ehepaar Rothschild dringend einen Wandergewerbeschein, um seine Existenz sichern zu können. Weil die beiden jedoch aus ihrem Haus Mieteinnahmen haben und durch die Ausübung eines Wandergewerbes dem Coburger Einzelhandel eine nicht vertretbare Konkurrenz bereiten würden, wurde ihnen die Ausstellung des Scheins versagt. Das Kaufmanns-Ehepaar versuchte sein Geschäft so gut es ging weiterzuführen. Aber nach der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben von 1938 waren die Rothschilds gezwungen, das Geschäft aufzulösen. Das Ehepaar blieb – vermutlich aufgrund des hohen Alters – weiterhin in Coburg wohnen. Am 27. November 1941 wurden die beiden von SS-Leuten in ihrer Wohnung abgeholt und nach Riga deportiert. In der Meldekartei hat nachträglich hinter ihre Namen jemand eingetragen: „Ausgebürgert am 19. Februar 1942“. Simon Rothschild verstarb vermutlich am 31. März 1942 im KZ. Das Todesdatum von Berta Rothschild ist nicht bekannt.

 

Paten Berta und Simon Rothschild: Alice und Wilhelm Durst-Wintersohle