Bahnhofstraße 40

Hier wohnte Dr. Erich Braun. Geboren am 16. Februar 1898 in Coburg als Sohn jüdischer Eltern. Schon als Kind wusste Erich Braun, dass er Arzt werden wollte. Nach seinem Medizinstudium und einem Aufenthalt in den USA arbeitet er im Landkrankenhaus Coburg. 1928 eröffnete er hier in der Bahnhofstraße 40 eine eigene Praxis. Erich Braun war in Coburg dafür bekannt, dass er seine Hauptaufgabe darin sah, armen, unglücklichen Menschen zu helfen. 80 Prozent seiner Patienten waren Arbeiter. Dr. Braun war beliebt, erfolgreich, hatte einen sehr guten Ruf in der Stadt. All das weckte schnell den Neid seiner nationalsozialistischen Berufskollegen. Hinzu kommt, dass Dr. Braun Mitglied der SPD war. Das schürte den Hass der Nationalsozialisten zusätzlich. Immer wieder wurde er Opfer antisemitischer Gewaltausbrüche – so auch am 11. März 1933. An diesem Tag drangen um 6 Uhr morgens Männer der SS in sein Haus ein. Sie zwangen ihn, aufzustehen und bedrohten ihn mit Pistolen und Pferdepeitschen. Anschließend brachten sie ihn zum Hauptquartier der Nationalsozialisten. Dr. Braun erinnerte sich: „Dort fand ich mehrere Männer vor, die auf dem Boden saßen oder lagen. Ihre blutverschmierten Gesichter und ihr Stöhnen zeigte deutlich, wie sie behandelt worden waren.“
Erich Braun wurde vorgeworfen, ein kommunistischer Agitator zu sein. Als er wiedersprach, schlug man ihn zusammen und brachte ihn ins Krankenhaus. Der behandelnde Arzt stellte die Diagnose: „Psychischer Depressionszustand und Anfälle von Weinkrampf. Am 20. Februar wurde Dr. Braun aus dem Krankenhaus entlassen und floh für kurze Zeit aus Coburg nach Berlin.
Doch Dr. Braun kehrte in seine Heimatstadt zurück und wurde kurz darauf, am 30. Juni 1933, erneut verhaftet und nach Dachau gebracht. „Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst“, sagte Dr. Braun rückblickend. Und er sollte recht behalten. Schon am Tag der Einlieferung im KZ schlug ihn ein SS-Führer in einem Kellerraum mit einem Ochsenziemer blutig.
„Ich muss halb bewusstlos gewesen sein, als sie endlich die Schläge einstellten“, schilderte Braun die Erlebnisse rückblickend. Sobald Braun sich etwas erholt hatte, wurde erneut auf ihn eingeprügelt und anschließend gefragt, ob er durstig sei. Als Braun die Frage bejahte, griff der SS-Führer nach einem Feuerwehrschlauch und richtete den Wasserstrahl in voller Stärke auf den Arzt.
Nachdem er sich – zumindest körperlich – einigermaßen von den Qualen erholt hatte, setzten wurde ihn die Nazis als Arbeitssklave ein demütigten ihn immer und immer wieder. Am 20. März 1934 wurde Braun schließlich aus dem Lager entlassen und kehrte nach Coburg zurück. Nur eine Woche später packte Dr. Erich Braun seine Sachen und verließ seine einstige Heimatstadt für immer. Das Schicksal führte ihn zunächst nach Berlin und dann nach Afrika, wo er bei Albert Schweitzer mitarbeitete. 1946 ging Dr. Braun nach Paris, 1959 kehrte er nach Deutschland zurück. Er ließ sich in München als Arzt nieder und wurde aktives Mitglied der jüdisch-katholischen Gemeinde und der Gesellschaft der christlich-jüdischen Zusammenarbeit. 1982 verstarb Dr. Erich Braun in München.

 

 

Pate: SPD Ortsverband Coburg Nordstadt