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10.04.1945

Die Veste wird in Brand geschossen

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415 10.04.1945: Die in Brand geschossene Veste von der Elsässer Straße 3 aus fotografiert.

10.04.1945
Eisfeld wird von amerikanischen Truppen besetzt; die Dörfer Roßfeld und Lempertshausen nordwestlich von Coburg weitgehend zerstört.

Ca. 200 Panzer, Artillerie und sonstige amerikanische Fahrzeuge sowie Infanterie der 11. US-Panzerdivision (12. Korps der 3. Armee unter General Patton) unter Befehl von Colonel Wesley W. Yale rücken aus Richtung Rodach über die Langen Berge gegen Coburg vor und gehen bei Moggenbrunn in Stellung. Zeitgleich stößt das 5. Inf.-Rgt. der 71. US Infanterie-Division unter Colonel Sidney Wooten gegen den nordöstlichen Landkreis vor. Daraufhin erolgt die offene Rücknahme der deutschen Front bis an den Rand des Callenberger Forstes zwischen Neuses und Beiersdorf.

Um 9.01 Uhr erfolgt der 366. und letzte Luftalarm des Krieges, um 10.15 Uhr signalisiert fünf Minuten Sirenen-Dauerton Panzeralarm.

Die im Zeughaus in der Herrengasse untergebrachte dienststelle des Oberkommandos der Wehrmacht setzt sich üner Seidmannsdorf ab. Den ganzen Tag über gibt es weiteren Bordwaffenbeschuss. Ab 14 Uhr setzt Artilleriebeschuss ein. Erste Treffer erhalten das Heeresverpflegungsamt in der Glender Straße, Teile der Paschendaele-Kaserne und der Herzoginbau der Veste, der in Brand gerät. Deutsche Pioniere sprengen Gleisanlagen am Güterbahnhof, die Brücke kurz hinter der Unterführung der Callenberger Straße und die Brücke am Milchhof. Ungeachtet der Kampfhandlung plündert die Bevölkerung die Heeresbäckerei am Schlachthof und das Werkzeuglager der Technischen Nothilfe in der Theatergasse 1. Gegen 17 Uhr verstärkt sich die Beschießung der Veste und der Stadt. Getroffen werden vor allem der Bereich Unterer Bürglaß/Steinweg, Heiligkreuz-/Wiesenstraße, Angerstraße, Weber- und Walkmühlgasse sowie die Seifartshofstraße und das Restaurant Kapelle auf dem Plattenäcker. Die Stadt brennt an 21 Stellen, die Feuerwehr kann aufgrund von Panzersperren die Brandstellen im Neuen Weg, Sonntagsanger, Kanonenweg, Lossau-, Bahnhof- und Kreuzwehrstraße und in der Kasernen nicht erreichen. Am Abend wird auch das Landesgerichtsgebäude (ehem. Staatsministerium) völlig zerstört.

Eine auf der Veste gehisste weiße Fahne wird von einem Offizier der Waffen-SS heruntergeschossen.

Oberleutnant Adolf Müller und Assistenzarzt Dr. Hans Maurer fahren um 18.30 Uhr befehlswidrig als Parlamentäre mit einer weißen Fahne unter Lebensgefahr von der Veste bis zur eiligkreuzbrücke. An der dortigen Panzersperre gehen sie zu Fuß und fahren dann mit einem Fahrrad nach Unterlauter, wo sie auf amerikanische Soldaten treffen. Bei US-Brigardier-Generl Willard A. Holbroock von der 71. US-Infanterie-Division bitten sie um eine 2 bis 3-stündige Waffenruhe.

Die Coburger Nationalzeitung erscheint zum letzten Mal.



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Quellen

Harald Sandner (aus: Sandner, Coburg im 20. Jahrhundert, S. 185)


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Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 18.03.2014 10:57:07


 

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