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„Frau Riemann“ - Buchhändlerin Irmgard Clausen

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58431 Bild: Martin Vögele, Martina Riegert, E. Riemann'sche Hofbuchhandlung.

Die Buchhandlung 1932, Bild: Martin Vögele, Martina Riegert, E. Riemann'sche Hofbuchhandlung. Die Buchhandlung Anfang der 1960er Jahre, Bild: Martin Vögele, Martina Riegert, E. Riemann'sche Hofbuchhandlung.
Nicht allzu viele Buchhandlungen können sich einer so langen Tradition erfreuen, wie die Buchhandlung Riemann in Coburg. Schon 1805 eröffnet Johann Gerhard Riemann eine Buchbinderei in der Spitalgasse, die er 1806 um eine Buchhandlung erweitert. Johann Gerhards jüngster Sohn, Johann Martin Ernst, erhält 1855 eine der drei Konzessionen, die der regierende Coburger Herzog Ernst II. an Buchhändler erteilt. Ernst Riemann eröffnet seine Buchhandlung in der Ketschengasse, wo er 1886 auch der erste Verleger des „Coburger Tageblatt“ wird. Als er 1864 stirbt, führt seine tatkräftige Witwe Auguste das Geschäft bis zum Eintritt ihres Sohnes Bruno 1877 weiter. 1878 erwirbt die Familie das Haus Markt 9, in dem die „E. Riemann'sche Hofbuchhandlung“ noch heute ihren Sitz hat.

Bruno Riemann d. J. führte ab 1919 die Buchhandlung durch schwere Zeiten, durch Inflation und den 2. Weltkrieg. Nach Kriegsende übernimmt sein Sohn Joachim das Unternehmen, das er 1959 in fünfter Generation übernimmt. Gemeinsam mit seiner Frau Erika ist er offen für Neues, modernisiert und legt so den Grundstein für den weiteren Erfolg. Nun ist Selbstbedienung gefragt und Leser können vor dem Kauf in den Büchern blättern und schmökern. Zudem beginnt Riemann damit, große Schriftsteller in die Buchhandlung einzuladen, wie Siegfried Lenz und Astrid Lindgren.

Als Joachim Riemann 1987 an seine Wunschkandidatin Irmgard Clausen übergibt, hat sich der Name der Buchhandlung so in die Köpfe der Coburger eingeprägt, dass Frau Clausen oft als "Frau Riemann" angesprochen wird. Auch sie erweitert und modernisiert: 1990 zunächst das Erdgeschoss, wo dann ein „Lichthof“ in den hinteren Räumen für mehr Tageslicht sorgt.

1997 entstehen im 1. Stock die Fachbuch-Abteilung, das Caféchen und später der Rote Salon. Die Fläche der einst beschaulichen Buchhandlung vergrößert sich enorm. Zudem ist Coburgs Lesepublikum von dem ambitionierten, abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm begeistert.
Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit legt Irmgard Clausen auf die Leseförderung. Kinder sind Könige in ihrer Buchhandlung und so sind Kindergärten und Schulklassen regelmäßig zu Gast. Unzählige Coburgerinnen und Coburger hat sie heranwachsen sehen und mit der Welt der Bücher vertraut gemacht. „Zu sehen, wie Kinder die Geschichten erzählen, die sie gelesen und gefühlt haben“, lässt auch heute noch das Herz der Buchhändlerin höher schlagen. Ehrenamtlich setzt Irmgard Clausen ihr Engagement für die Leseförderung auch nach dem Verkauf ihrer Buchhandlung fort.

Seit 2015 führen Martina Riegert, Clausens erste Auszubildende nach der Übernahme 1987, und ihr Mann Martin Vögele die Buchhandlung – ein engagiertes Paar, wie es sich Irmgard Clausen für die Weiterführung vorgestellt hatte.
 

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Quellen

Irmgard Clausen, Martin Vögele, Martina Riegert, Bildnachweise: Irmgard Clausen, Martin Vögele, Martina Riegert, E. Riemann'sche Hofbuchhandlung.


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Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 02.04.2017 14:07:13