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Auf vielen Umwegen nach Coburg - Teil VII

Und so vergingen die Jahre. Es war die schönste Zeit meines jugendlichen Lebens. Im Sommer Bergsteigen, im Winter Skifahren, einfach herrlich! Die Schule wurde als notwendiges Übel betrachtet. 1950 war ich durch den Skiclub Oberstdorf bei der Eröffnung der damals ersten Skiflugschanze der Welt im Stillachtal bei Birgsau durch Heini Klopfer dabei. Ich wusste, dass mein Vater nach einer selbständigen Tätigkeit suchte. Der Schock war groß, als er diese in Langenargen am Bodensee schließlich fand. Das bedeutet aber auch, dass wir irgendwann von Oberstdorf wegziehen würden. Als es im Herbst 1956 so weit war, weigerte ich mich vehement, mit nach Friedrichshafen umzuziehen, wo meine Eltern eine Wohnung gefunden hatten. Natürlich war mein Verweigern zwecklos und so landete ich in einem Gymnasium in Friedrichshafen. Das Ganze hatte dann aus meiner Sicht gesehen doch einen großen Vorteil. Da Friedrichshafen in der französischen Besatzungszone Baden-Württemberg lag, wurde auf den Gymnasien dort ab der ersten Klasse Französisch gelehrt. In Oberstdorf, das in der amerikanischen Besatzungszone lag, war Englisch ab der ersten Klasse Pflichtfach. Ich hätte also in einem Jahr vier Jahre Französisch nachlernen müssen. Das hielt selbst der Direktor des Gymnasiums für nicht machbar und da ich das Abitur sowieso nie als erstrebenswertes Ziel betrachtet hatte, ergab sich somit die Möglichkeit, der Schule ade zu sagen; sehr zum Leidwesen meiner Eltern. Und so begann ich im April 1957 eine Lehre als Jungwerker bei der Deutschen Bundesbahn am Bahnhof in Friedrichshafen.

Nach dem ersten Lehrjahr konnte ich in die Assistentenlaufbahn aufsteigen. Aber irgendwie war das alles nicht nach meinem Geschmack. Und da sah ich in einer Zeitung eine Anzeige des Bundesgrenzschutzes. Diese erweckte mein ganzes Interesse. Ich forderte heimlich - meine Eltern sollten nichts davon mitbekomme - weiteres Material an. Danach war ich fest entschlossen, mich dort zu bewerben. Da ich zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt war, bedurfte es der Einverständniserklärung meiner Eltern. Nach endlosen Debatten stimmten sie schließlich meiner Bewerbung zu und ich stellte mich der Aufnahmeprüfung beim Bundesgrenzschutz in Rosenheim im September 1959. Von 16 Prüflingen bestanden damals gerade mal vier und ich war einer davon. Am 18. Januar 1960 begann meine Grundausbildung beim BGS in Seeon in Oberbayern. Dass diese Ausbildung hart werden würde, hatte ich mir schon gedacht und auch gewünscht, aber was die Ausbilder damals alles mit uns anstellten, war manchmal schon fast unmenschlich. Geschadet hat es allerdings nicht! Nach Beendigung der Grundausbildung Ende Juni wurde unser gesamter Zug hierher nach Coburg versetzt. So, das war in komprimierter Form mein Weg aus meinem Geburtsort hierher nach Coburg, in diese wunderschöne Stadt!
 

 

 


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Quellen

Egbert Henke privat


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Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Nachkriegszeit | Lebensberichte |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 14:47:59