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Stolperstein für Berthold Gerlicher, Oberer Bürglass 2

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Hier wohnte Berthold Gerlicher. Die Patenschaft über seinen Stein hat Dr. Joachim Rückert übernommen. Berthold Gerlicher wurde 1899 geboren.

Am 10. und 11. März 1933 ordnete General Ritter von Epp, der damalige bayerische Reichskommissar, Funksprüche an die bayerischen Polizeidirektionen an. In den Funksprüchen erging der Befehl, sofort sämtliche kommunistischen Funktionäre und Reichsbannerführer in Schutzhaft zu nehmen. Gleichzeitig wurden bei den Funktionären Hausdurchsuchungen angeordnet. Der Funkspruch wurde von den Nazis so ausgelegt, dass neben KPD-Funktionären auch andere, den Nazis nicht genehme „Gegner“ wie SPD-Mitglieder und Juden verhaftet wurden. Berthold Gerlicher war einer von den nicht genehmen Gegnern, da er führendes Mitglied der SPD war. Er wurde am 11. März hier aus seinem Haus geholt und in die inzwischen abgerissene „Alte Herberge“ neben dem Rathaus gebracht. Dort befand sich auch die Prügelstube. Berthold Gerlicher wurde immer wieder verhört und anschließend misshandelt. Die SS-Leute arbeiteten dabei mit Schichtablösung: Wenn der eine Trupp ermüdet war, erholte er sich im Gasthof, während die Ablösung, durch Alkohol neu gestärkt, antrat. Zeugen beschrieben die Misshandlungen folgendermaßen: Ochsenziemer und Lederpeitschen wurden zunächst durch Wasser gezogen, so dass jeder Schlag ein zwei Daumen starkes, blutunterlaufenes Geschwulst hinterließ. Meistens sei die Haut sofort geplatzt. Die Prozedur wurde fortgesetzt, bis das Opfer bewusstlos war. Dann wurde ihm ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf gegossen. Das sorgte für Wiederbelebung und dann ging die Misshandlung weiter. Berthold Gerlicher überlebte die Misshandlungen und wurde wenige Tage später wieder entlassen.

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Quellen

Stadtarchiv Coburg. Hubert Fromm: Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Initiative Stadtmuseum, Coburg 2001.


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letzte Aktualisierung am 23.05.2014 09:14:54