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1938

Dr. Moritz Baer, geb. 1877 / Spitalgasse 4

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Spitalgasse 4

Hier arbeitete Dr. Moritz Baer, geboren am 6. Juli 1877 in Coburg. Der Rechtsanwalt und Notar führte in diesem Gebäude – zusammen mit seinem Bruder Martin Baer - eine juristische Kanzlei. Schon in den frühen 20er Jahren wurden die Baers häufig von Menschen aufgesucht, die mit den Nazis in Konflikt geraten waren und um Rechtsbeistand baten. Die beiden Rechtsanwälte halfen, wo sie konnten – auch noch in den 30er Jahren. Zum Beispiel vertraten sie 1932 die jüdische Kultusgemeinde in einem Rechtsstreit mit der Stadt, als es darum ging, die Nikolauskapelle weiterhin als Synagoge benutzen zu dürfen. Das machte die Baer-Brüder den Coburger Nationalsozialisten in besonderem Maße verhasst. 1939 schrieb die Zeitung „Bayerische Ostmark“ über die beiden: „In unzähligen Prozessen sind sie immer wieder als Verteidiger der roten Bonzen in Coburg aufgetreten, meist als Ankläger gegen Nationalsozialisten. Besonders rühmlich taten sie sich in Prozessen gegen den heutigen Gauleiter von Pommern, Schwede-Coburg, hervor. Sogar nach der Machtergreifung wagten es die Juden noch, eine gerichtliche Verfügung gegen ein Wahlplakat der NSDAP zu erwirken, das im ganzen Reich verbreitet war. Das sind alles Dinge, die man nicht vergessen sollte.“
1933 wurde Moritz Baer verhaftet und in der Prügelstube misshandelt. Als er kurz darauf von einem Weinhändler besucht wurde, sprach er das Vorgefallene an. Als der Gesundheitsaufseher der Stadt davon erfuhr, wurde Dr. Moritz Baer von den Nazis wegen seiner verbotenen Äußerungen vernommen. Der Weinhändler nahm den Notar jedoch in Schutz und so entgeht Baer einer erneuten Verhaftung.
1938 hat Dr. Moritz Baer endgültig alle Mandanten in Coburg verloren. Seinem Sohn Max Baer, der zu diesem Zeitpunkt bereits in Argentinien lebte, gelang es, zum Glück rechtzeitig, die Eltern aus Deutschland zu sich zu holen. Die Familie verkaufte ihr Haus in Coburg und verließ die Heimat am 21. November 1938. Max Baer berichtete später: „So waren wir wenigstens wieder zusammen. Wir waren gerettet und konnten ohne Angst leben, wenn auch in sehr beschränkten Verhältnissen. Mein Vater war schon 62 Jahre alt, als er nach Argentinien kam, und hatte infolge der vielen Aufregungen schon Herzprobleme“. Dr. Moritz Baer starb 1952 im Alter von 75 Jahren.

 

 

Pate Dr. Moritz Baer: Coburger Anwaltverein



Verknüpfte Dokumente
 
Quellen

Fromm, Hubert: Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Herausgegeben vom Evangelischen Bildungswerk Coburg und der Initiative Stadtmuseum Coburg. Neustadt bei Coburg. Patzschke 2001. (Stadtarchiv Coburg)


Informationen

Kategorien: Stolpersteine |

letzte Aktualisierung am 22.05.2014 15:17:03


 

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