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25.08.1930

25. August 1930: Franz Schwede wird Dritter Bürgermeister in Coburg

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47931 Franz Schwede (1943) (Bild: Bayerische Staatsbibliothek München / Fotoarchiv Hoffmann)

Die Stadtratswahlen vom 23. Juni und vom 8. Dezember 1929 hatten den Nationalsozialisten mit 13 Sitzen eine Mehrheit im Coburger Stadtrat gebracht. Die NSDAP konnte ihre politischen Vorstellungen im Stadtparlament aber nicht restlos durchsetzen, da neben den 25 Stadträten auch die beiden Bürgermeister und in Bau- bzw. Wohlfahrtsfragen zusätzlich noch der Baurat bzw. der Rechtsrat stimmberechtigt waren. Damit stand im Konfliktfall das Mehrheitsverhältnis im Stadtrat 13 zu mindestens 14 Stimmen gegen die Nationalsozialisten. Da die Nationalsozialisten aber die Macht in Coburg erlangen wollten bzw. mussten, um ihre politischen Vorstellungen ungehindert umsetzen zu können und damit sich ihre Bewegung nicht totlief, mussten sie einen Weg finden, die Sitzverteilung im Stadtrat zu verändern.[1]

Die Nationalsozialisten kamen auf die Idee, eine dritte Bürgermeisterstelle für ihren Anführer Franz Schwede zu verlangen. Eine solche dritte Bürgermeisterstelle hatte in Coburg schon einmal existiert, war aber wieder abgeschafft worden. Sie war dementsprechend also keine vollkommen abwegige und aus der Luft gegriffene Idee. Eine weitere Bürgermeisterstelle für die Nationalsozialisten bedeutete, dass sie durch die Besetzung dieses Postens eine Stimme mehr im Stadtrat hätten, denn für Schwede würde ein weiterer Nationalsozialist in das Stadtparlament nachrücken. Somit hätte das Stimmenverhältnis Nationalsozialisten zu Nicht-Nationalsozialisten 14 zu 14 betragen. Da sich aber abzeichnete, dass weder Erste noch der Zweite Bürgermeister den ständigen Anfeindungen der Nationalsozialisten gesundheitlich gewachsen sein würden und somit krankheitsbedingt Stadtratssitzungen versäumen müssten, hätte ein Dritter Bürgermeister nicht nur eine Mehrheit im Stadtrat bedeutet, sondern auch die absolute Macht im Rathaus. Schwede als zweiter Stellvertreter hätte bei einem Ausfall der ersten beiden Bürgermeister dieses Amt ausgeübt.[2]

Der Antrag der Nationalsozialisten bezüglich der Schaffung einer dritte Bürgermeisterstelle wurde im Stadtrat jedoch mehrfach abgelehnt. Erst im fünften Anlauf fand der Antrag am 22. August eine Mehrheit im Stadtrat. Zuvor hatten die Nationalsozialisten die Stadträte Wilhelm Rehlein (DNVP) und Karl Güntzel (National-liberaler Verband) in der Öffentlichkeit so massiv unter Druck gesetzt, dass diesen gar nichts anderes übrig blieb, als für den Antrag der NSDAP zu stimmen, wollten sie nicht öffentlich vollständig bloßgestellt werden. Drei Tage später, am 25. August, wurde Schwede dann zum Dritten Bürgermeister Coburgs gewählt.[3] Damit besaß die NSDAP nun 14 von 28 Stimmen im Stadtrat. Da aber der Erste und der Zweite Bürgermeister, wie schon erwähnt, dem Druck der Nationalsozialisten gesundheitlich nicht gewachsen waren, fehlten sie häufig krankheitsbedingt in Stadtratssitzungen. Der Zweite Bürgermeister Ernst Altenstädter wurde sogar so krank, dass er dauerhaft an den Stadtratssitzungen verhindert war. Die Nationalsozialisten errangen so die absolute Mehrheit.[4]

 

[1] Albrecht, Joachim: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. Die Coburger NSDAP während der Weimarer Republik 1922-1933. Frankfurt/Main 2005. (= Europäische Hochschulschriften. Reihe II. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Band 1008). S. 125; Asmalsky, Ludwig: Der Nationalsozialismus und die NSDAP in Coburg 1922-1933. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit zur Prüfung für das Lehramt an den Gymnasien in Bayern an der Universität Würzburg. Würzburg 1969. S. 57.

[2] Albrecht: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. S. 120; Reinhart, Michael: Der Aufstieg der NSDAP in Coburg im Spiegel der Sparkassengeschichte. In: Zeitschrift für bayerische Sparkassengeschichte 13 (1999). S: 283-306. Hier S. 292; „Voraus zur Unzeit“. Coburg und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Katalog zur Ausstellung der Initiative Stadtmuseum Coburg e. V. und des Stadtarchivs Coburg im Staatsarchiv Coburg. 16. Mai bis 8. August 2004. Coburg 2004. (= Coburger Stadtgeschichte. Band 2). S. 15.

[3] Albrecht: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. S. 120ff.; Asmalsky: Der Nationalsozialismus und die NSDAP in Coburg 1922-1933. S. 58;„Voraus zur Unzeit“. S. 16; Popp, Steffen: Coburgs Weg in den Nationalsozialismus 1919-1931: Die Etablierung des völkischen Antisemitismus und der Aufstieg der NSDAP. Offenbach am Main o. J. (Online unter: http://www.popp-art.com/files/text/Coburgs%20Weg­%20ins%20Dritte%20Reich.pdf. Stand: 06. Januar 2010). S. 42.

[4] Albrecht: Die Avantgarde des „Dritten Reiches“. S. 123.



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Quellen

Bild: Bayerische Staatsbibliothek München / Fotoarchiv Hoffmann.


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letzte Aktualisierung am 29.04.2015 12:57:37