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Coburgs letzte Mühle

777 Quickersmühldurchgang Fotosammlung des Stadtarchivs

Badergasse 
Fotosammlung des Stadtarchivs

Ein Bericht von Helmut Wolter

Wer heute von der Badergasse zur Hauptpost in der Hindenburgstraße geht, ahnt nicht, daß zwischen der Gaststätte Baderstuben, dem Baderhof und der Rückseite des Kaufhofs bis Anfang der 1970 er Jahre dort 500 Jahre lang eine Mühle stand. Zwar werden schon 1317, also vor der Stadterhebung in Coburg Mühlen genannt.

 

1317 auch hat mein Herr zu Coburg in der Stadt den Zehnten, und zehn Pfund Pfennige von den Mühlennten, und zehn Pfund Pfennige von den Mühlen namentlich läßt sich die erste Nennung läßt sich derzeit auf den 20. April 1435 datieren, als bei einer Beurkundung im Rathaus die Theynmöllen genannt wird. 1440 findet sich ebenfalls im Stadtbuch der Name als Teynmul. Um 1300 ist im Raum Coburg ein Thein von Lichtenstein zu Geyersberg und Memmelsdorf bekannt. Im Schloßarchiv Ahorn findet sich in den Jahren 1346, 1360 und 1380 ein Teyn von Lichtenstein, der Grundstücke erwirbt.

 

Jorg Preyl pachtet 1516 noch die Theinmühle. Im März 1556 findet sich zum ersten Mal findet der Name Quickersmühl in den Lehnbüchern. Und fast auf den Tag genau elf Jahre später im April 1567 erstmals die Zwiglesmühl. In diesen gut zehn Jahren wird aus der Quickersmühle die Zwiglesmühl.

Wie wurde aus der Quickersmühle die Zwiglesmühle.? Es sind zwei Begriffe die mundartlich miteinander verwandt sind, denn Quick, Zwick oder Zwig sind, besonders im gesprochenen Dialekt nicht weit voneinander entfernt und unterscheiden sich hier nur in der Schreibweise.

 

Die Lösung ergibt sich aus der Silbe Zwick. Mundartlich ist in Coburg Zwick als Anderwort dafür bekannt wenn etwas klemmt bezw. eingeklemmt ist. In Coburg ist die sogenannte Zwick bekannt, ein heute nicht mehr bestehendes Gasthaus in der Walkmühlgasse. Die Lage der Mühle in dem Teil der Badergasse, der nicht einfach zu befahren ist bedeutet, daß Fuhrleute, die Getreide anliefern bezw Mehl und andere Erzeugnisse abholen umständlich rangieren müssen um aus dieser Zwick wieder heraus zu kommen.

Auf Höhe des Hauses Badergasse 7 knickt die Gasse in Richtung Osten hin zum Steinweg ab. Die Grundstücke Nr. 89 - 91 sind vom Durchgangsverkehr abgeschnitten, und bilden einen Platz der von Häusern gesäumt ist, zum Hahnfluß hin nur einen schmalen Fußweg besitzt und es den Fuhrleuten Mühe bereitet zur Mühle zu fahren. Einen Eindruck von den engen Platzverhältnissen vermittelt der Plan, das Grundstück 91 ist die Mühle zwischen Gasse und Hahnfluß eingeklemmt also eingezwickt.

 

Der vorletzte Name, die Stücklesbrodmühle, ist leicht erklärt. Caspar Müller sitzt 1668 auf der Quickersmühle und wird aufgefordert mehr Steuern zu bezahlen. Nach seinen Worten hat er aber noch viel an der Mühle zu erneuern. Dies stimmt, waren doch die Mühlen im 30-jährigen Krieg der Willkür der Heere und der Söldner ausgesetzt.

 

Dazu kam, daß Aufträge für die Mühle fehlten. [...] daß ich all mein mahlen, so ich eine ganze Woche über habe, an einem Tage befördern wollte und könnte, wie daher mein geringes mahlen gar leichtlich Korn abgenommen und messen werd. Weil ich dieses Jahr anhero nicht mehr als 18 Mälze gemahlen, da ich doch sonsten über anderthalb hundert Mälze gehabt. Auch nicht mehr Brote als Hansen Schwesinger auf dem Steinweg und eine Wittib, so in meinem Häußlein auf dem Steinweg wohnet, aber weil ihr als Beständnerin das bräuen [brauen] genommen, kann sie wenig Brot vertreiben, haben diese beide nun tragen etwa einen oder zum nächsten anderthalb Brote aus. Bei dieser Situation macht der Volksmund schnell aus der Quickersmühle die Stücklesbrodmühle.

 

Der letzte Name Stadtmühle ergibt sich mehr oder minder zwangsläufig, da die anderen Mühlen am Hahnfluß und am Lautergraben aufgelassen sind. Die Mühle die innerhalb der Stadt als Letzte in Gang war muß im September 1970 dem Neubau des Kaufhauses weichen. Mit der Verrohrung des Hahnflusses 1967 fehlt der Mühle nach 500 Jahren das notwendige Wasser und mit dem Abbruch der Wasserradstube beginnt der Abriß. Die im Erdgeschoß vorhandene wertvolle Stuckdecke wird ausgebaut und in den Kunstsammlungen der Veste Coburg eingelagert.

 

 

 

 

Die Bilder, die kurz vor dem Abbruch der Mühle entstanden, zeigen die Mühle und den schmalen Durchgang zum Lohgraben

 

 

 

 


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Quellen

Helmut Wolter (2009) Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Das älteste Coburger Stadtbuch 1388 –1453, Nr. 1280, 1414. Neustadt/Aisch 1977 StACo (Staatsarchiv Coburg) Bestand 12.7 II Schloßarchiv Ahorn, Nr 1, 2, 3 StACo LA B 3008. Beständner(in) = früheres Wort für Pächter Coburger Tageblatt v. 25.9.1970 Bilder: StadtA Coburg, Bildsammlung Gesamtbeschreibung der Teynmühle in: Helmut Wolter, Das Häuserbuch der Stadt Coburg, Band 5 Badergasse, Brunngasse. ISBN 3-937527-19-2


Informationen

Kategorien: Verschwundene Bauwerke |

letzte Aktualisierung am 15.03.2012 09:47:27


 

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