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24.04.1530 - 01.10.1530

Luther auf der Veste Coburg

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58324 Das Lutherzimmer auf der Veste Coburg: Hier verbrachte Martin Luther seine Zeit (Bild: Kunstsammlungen der Veste Coburg)

“Eine Predigt, das man Kinder zur Schulen halten solle“ entstand 1530 auf der Veste Coburg (Bild: Landesbibliothek Coburg, Signatur Lu Ia 1530, 23) Luther-Gedenkbüste an der Steinernen Kemenate der Veste Coburg

Früh um vier Uhr ist er schon unterwegs zur Veste Coburg: Martin Luther. Es ist schwer für ihn, in Coburg zurückbleiben zu müssen, obwohl sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise, und seine Mitstreiter am 24. April 1530 nach Augsburg weiterzogen – zum Reichstag. Obwohl er die Sache mit seinen 95 Thesen 1517 ausgelöst hat, kann Martin Luther selbst nicht in Augsburg dabei sein. Die Veste Coburg ist die am südlichsten gelegene Burg des sächsischen Kurfürsten. Weiter durfte Luther als Gebannter und Geächteter nicht mitreisen.

Doch er findet sich gut zurecht: „Denn das große Gebäude, so am Schloss hervorragt, ist ganz das unsere. Wir haben die Schlüssel zu allen Zimmern.“ Sein Aufenthaltsort soll geheim bleiben, doch viele kommen trotzdem Luther besuchen. Und viele Boten versorgen ihn laufend mit Briefen aus allen Himmelsrichtungen.

Ein „fauler, müßiger Esel“ ist Luther auf der Veste ganz gewiss nicht! Er betet täglich bis zu drei Stunden. Trotz häufigem Unwohlsein und mancher Krankheit arbeitet er zudem fleißig. So entstehen in fünfeinhalb Monaten über 16 Schriften, darunter so berühmte und wegweisende wie „Eine Predigt, dass man die Kinder zur Schule halten soll“ und der „Sendbrief vom Dolmetschen“. Den Leuten müsse man aufs Maul sehen – so schreibt er darin – und dementsprechend übersetzen. Etwa 120 Briefe gingen von der Veste aus an die Freunde - vor allem in Augsburg - und an die Familie in Wittenberg. Darunter der Brief vom Paradiesgärtlein an seinen vierjährigen Sohn Hans. Der Brief soll ein Stück Weltliteratur werden.

Da sitzt er nun „zwischen Wittenberg und Augsburg mitten inne“, weitab vom Schuss. Gut, seine Freunde informieren ihn ausführlich über die Ereignisse. Doch das Ausharren ist unerträglich. Einmal hat er fast drei Wochen auf einen neuen Brief gewartet. Da kann es schon passieren, dass man sich von seinen Freunden ins Abseits gestellt fühlt. Was tun? Luther schreibt – um sie zu unterstützen, zu trösten und zu loben.

Am 25. Juni 1530 wurde das evangelische Bekenntnis zu Augsburg vor Kaiser und Reich verlesen – die Geburtsstunde der Evangelischen Kirche. Anfang Oktober 1530 kehrte Luther zu seiner Familie nach Wittenberg zurück.


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Quellen

Rainer Axmann, Bildnachweise: Kunstsammlungen der Veste Coburg, Landesbibliothek Coburg (Signatur Lu Ia 1530, 23).


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Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 01.04.2017 17:40:41