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Die Hof-/Luther-/Landesbibliothek

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58408 Buchschätze in den Archiven der Landesbibliothek, Bild: Archiv, Landesbibliothek Coburg

Johann Ernst von Sachsen-Coburg (1521 - 1553), Bild: Kunstsammlungen der Veste Coburg, Gemäldesammlung, Inv.-Nr. M.026 Lutherbibel (Gesamtausgabe) von 1551, aus dem Bestand der Landesbibliothek (Signatur Lu Ib 114(1))
Coburg
von Dr. Silvia Pfister, Landesbibliothek Coburg​
 
Die Anfänge der Landesbibliothek Coburg reichen zurück in die Zeit der Errichtung von Schloss Ehrenburg in den 1540er Jahren. Das Coburger Land bildete damals den südlichsten Teil des Kurfürstentums Sachsen. Seit 1542 regierte hier weitgehend selbständig Johann Ernst (1521-1553), der Halbbruder Kurfürst Johann Friedrichs I. (1503-1554), dessen Druckprivileg allen Luther-Gesamtbibeln („Biblia deutsch“) ab 1534 vorangestellt ist. Der jüngere Bruder Johann Ernst wird in den Druckprivilegien namentlich genannt.
 
Es war die Zeit, in der der von Renaissance-Humanismus geprägte kursächsische Hof in Wittenberg/Torgau zu den kulturell führenden in Europa zählte. Hier fand die Reformation ihren Nährboden. Vom geistigen Klima am kursächsischen Hof war Johann Ernst sicher nicht unberührt geblieben. In Coburg verlegte er seinen Hof von der Veste in die Stadt und ließ dazu an der Stelle des 1525/1526 aufgelassenen Franziskanerklosters ein Stadtschloss, die Ehrenburg, errichten. Darin befand sich von Anfang an eine Schlossbibliothek. Von Johann Ernst sind bis heute mindestens vier Bände in der Landesbibliothek Coburg erhalten.
 
Kurfürst Johann Friedrich I. (der Großmütige), seine Söhne, seine Enkel (wie Herzog Johann Casimir) und sein Bruder Johann Ernst, der Erbauer der Ehrenburg, waren überzeugte Anhänger Martin Luthers. Sie verteidigten die Reformation politisch, teilweise auch militärisch. Alle hatten Büchersammlungen, die ihre religiösen und politischen Überzeugungen verdeutlichten. Nach Luthers Tod 1546 kam es zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen, sowohl mit den Katholiken als auch innerhalb des protestantischen Lagers. Die Wirren dieser Zeit („Konfessionalismus“), mit den daraus folgenden Erb- und Gebietsteilungen im sächsischen Fürstenhaus, betrafen auch die fürstlichen Bibliotheken. So kam es zu regelrechten Bücherströmen von einer Residenz zur nächsten (Weimar, Altenburg, Gotha, Saalfeld), durch die zwischen 1590 und 1700 auch ganze Wagenladungen nach Coburg kamen.
 
Dort wurden sie entweder in die Schlossbibliothek übernommen, die im 18. Jahrhundert als Hofbibliothek ganz systematisch erweitert wurde und hochangesehen war, oder in die nicht weniger renommierte Bibliothek des Gymnasiums Casimirianum. Aus der einstigen Hofbibliothek wurde 1919 die Landesbibliothek, die heute auch die Bibliotheca Casimiriana zu ihren Schätzen zählt. Neben frühesten Lutherbibeln sind auf diese Weise viele Schriften zu seiner Theologie, von ihm selbst oder von seinen Mitstreitern geschrieben, in die heutige Landesbibliothek gelangt. Etliche dieser vorher Fürsten gehörenden Bücher sind in prächtige Einbände gebunden.
 
Besonders stolz ist die Landesbibliothek außerdem auf ihre 850 Bände umfassende Luther-Sammlung. Auch sie umfasst früheste Drucke von Lutherschriften aus dem 16. Jahrhundert, darunter überwiegend Flugschriften mit Predigten und Sendschreiben. Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) ließ diese Sammlung zum Andenken an Luthers Aufenthalt auf der Veste Coburg 1530 anlegen. Die Luther-Bibliothek diente der Ausstattung des Lutherzimmers auf der Veste. Sie wurde 1950 fast vollständig von der Landesbibliothek übernommen.
1919, nach dem ersten Weltkrieg und dem Ende des Herzogtums sollte die Landesbibliothek der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Den einst herzoglichen Kunstbesitz verwaltete von da an die eigens gegründete Coburger Landesstiftung. Nach 1949 arbeitete man daran, möglichst viele Buchbestände aus Coburg und dem Umland unter einem Dach - dem der Landesbibliothek - zusammenzuführen. Die vielfältigen Sammlungen wurden teilweise von der Coburger Landesstiftung angekauft, teilweise als „Dauerleihgaben“ oder „Depots“ auf Vertragsbasis übernommen wie z.B. die Kirchenbibliothek Sankt Moriz. Auch die historische Ratsschulbibliothek der Stadt Coburg befindet sich unter dem Dach der heutigen Landesbibliothek.
 
Mit dem 1. Januar 1973 ging die Landesbibliothek Coburg in die Verwaltung des Freistaates Bayern über. Sie ist heute eine von 10 regionalen staatlichen Bibliotheken in Bayern.

Verknüpfte Dokumente
 
Quellen

Dr. Silvia Pfister, Landesbibliothek Coburg, Bildnachweise: Kunstsammlungen der Veste Coburg (Gemäldesammlung, Inv.-Nr. M.026), Landesbibliothek Coburg (Signatur Lu Ib 114(1))


Informationen

Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 02.04.2017 12:17:00


 

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