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17.08.1932

Historische Berufe: Das „Fräulein vom Amt“

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58351 Telefonverzeichnis der Stadt Coburg von 1893, Bild: Stadtarchiv Coburg (Signatur Fo._11._1893_0161)

Dieses frühe Exemplar eines Selbstwahltelefons gehörte wohl einst Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884-1954), Städtische Sammlungen (Bild: Johanna Rosenzweig)
Im Post- und Fernmeldeamt am Oberen Bürglaß 34/36 (heute Gewerbeaufsichtsamt Coburg) wird 1891 das erste Vermittlungsamt in Coburg eingerichtet. Für Orts- und Ferngespräche stehen jeweils acht Arbeitsplätze zur Verfügung. 1893 sind gerade einmal knapp 40 Teilnehmer an das Telefonnetz in Coburg angeschlossen.
 
Darunter mehrere Anschlüsse des herzoglichen Hauses, der herzoglichen Verwaltung und des Magistrats der herzoglichen Residenzstadt (Rathaus). Erste Telefone hatten auch die Hofbuchhandlung Riemann, die Hofapotheke am Markt, die heutige Stadt-Apotheke in der Spitalgasse, die Sparkasse und das Coburger Tageblatt. Unter der Anschlussnummer 1 erreichten die anderen 39 Teilnehmer des Coburger Telefonnetzes das Herzogliche Staatsministerium im Zeughaus in der Herrngasse.

Die Telefonleitungen waren zum Teil noch oberirdisch gespannt und liefen aus allen Richtungen über einen am Fernmeldeamt angebrachten Turm zusammen. Dies änderte sich erst im Jahr 1931 mit dem Umzug der Hauptvermittlungsstelle in das neue Post- und Fernsprechdienstgebäude in der Hindenburgstraße.

Gespräche wurden damals ausschließlich per Hand vermittelt. Dazu gab es sogenannte „Klappenschränke“. Der Gesprächsteilnehmer signalisierte seinen Gesprächswunsch durch Betätigung einer Kurbel an seinem Apparat. Durch den so erzeugten Strom fiel in der Vermittlungsstelle an dem Schrank eine metallische Klappe nach unten, wodurch die Telefonistin auf den Gesprächswunsch aufmerksam wurde. Das „Fräulein vom Amt“ – Telefonisten gab es nur am Anfang - stellte zunächst selbst die Verbindung zum Teilnehmer mittels einer Steckverbindung her, um den „Anrufwunsch“ zu erfahren, initiierte dann die Verbindung zum anderen Teilnehmer und verband schließlich beide Teilnehmer. Das Ende des Gesprächs wurde wiederum per Kurbel signalisiert. Die Telefonistin hatte nun die Aufgabe, die gesteckte Verbindung zu lösen und gleichzeitig das Gespräch für die spätere Abrechnung zu protokollieren, was in hektischen Zeiten schon einmal vergessen werden konnte.

Wie in anderen Städten auch, war in Coburg das Telefonieren sehr geschätzt. Um 1900 herum gab es schon ca. 100 Telefonanschlüsse, 1940 bereits weit mehr als 1.000.
 
Am 17. August 1932 wird das Telefonieren in Coburg auf den „Selbstanschlussbetrieb“ umgestellt. Es beginnt das schleichende Ende des „Fräuleins vom Amt“. Die Nutzer sollen an ihren Telefonapparaten in Zukunft selbst wählen! Damit diese Umstellung auch reibungslos vonstattengeht, wurden die Teilnehmer am Vorabend der Umstellung von der Oberpostdirektion zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Es wurde der Umgang mit den neuen Fernsprechapparaten mit Wählscheibe demonstriert und das Wählen konnte geübt werden. Auch in der Zeitung wurde jeder Schritt noch einmal ausführlich erklärt. Aus dieser Zeit stammt vermutlich der Telefonapparat (s. Bild), der sich heute in den Städtischen Sammlungen befindet, und einst im Besitz von Herzog Carl Eduard gewesen sein soll.

Die „Fernsprechbeamtinnen“ hatten jedoch nach wie vor zu tun, denn nicht alle Vermittlungsstellen waren bereits auf die neue Technik umgestellt, insbesondere im Fernbetrieb war weiterhin per Hand zu vermitteln. 1959 wurde der Selbstwählferndienst komplett eingeführt. 1966 schließlich wurde die Handvermittlung in der Bundesrepublik vollständig durch automatische Gesprächsvermittlung ersetzt. Auf dem Gebiet der DDR war die Handvermittlung noch bis zum Jahr 1987 im Einsatz.
 

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Quellen

Stadtarchiv Coburg, Städtische Sammlungen Coburg, Bildnachweise: Stadtarchiv Coburg (Signatur Fo._11._1893_0161), Johanna Rosenzweig.


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Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 01.04.2017 20:33:24