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Die Sanduhr

Als Luther im Jahre 1539 auf der Veste Coburg einst eifrig in seinem Studierstüblein die Psalter las, suchte ihn der Teufel in Gestalt einer Ratte zu stören. Doch der wackere Gottesmann, welcher den Bösen erkannte, warf im Zorn den Schemel nach der Ratte. Da dem Tiere durch den gewaltigen Wurf ein Bein zerschmettert wurde, so sann es auf Rache. Zur Mitternacht schlich es sich in das Kirchlein und fraß sich hinter der Sanduhr in das Futter der Kanzlei ein. Als Luther am andern Tage in der Kirche predigte, stellte er die Sanduhr, um nach dem Verrinnen des Sandes seine Predigt zu beschließen. Da der Teufel aber nach Ablauf einer Stunde immer wieder die Sanduhr umdrehte, so predigte Luther bis zum Untergang der Sonne. Als es nun in der Kirche zu dämmern begann, und Luther die Kirche leer sah, da bemerkte er die Ratte. Er tat mit der Faust einen wuchtigen Scholag nach dem Tier, welches mit einem Satz zur Kanzel hinabsprang. Da der Teufel durch das fortwährende Umwenden der Sanduhr bezwecken wollte, dass sich der Gottesmann zu Tode predigen sollte, so muss er nach dem Fluche Luthers die Uhr ewig umdrehen.


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Quellen

Hermann Wettig, Die Schönsten Sagen und historischen Erzählungen aus dem Herzogtum Coburg und seiner Umgebung, Coburg 1899, Stadtarchiv


Informationen

Kategorien: Luther

| Veste Coburg / Kunstsammlungen |

letzte Aktualisierung am 02.04.2014 11:29:05


 

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