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Erinnerungen an meine Kindheit

Ein Beitrag von Günter K.

Geboren wurde ich im Oktober 1932 in Coburg. Ein Tag, an dem hunderte von Coburger Bürgern auf den Beinen waren, um an einem einmaligen Erlebnis teilzunehmen. Zu dieser Zeit wurde in der St.-Moriz-Kirche in Coburg der Prinz Gustav Adolf von Schweden und Prinzessin Sibylle von Sachsen-Coburg und Gotha getraut. An den Feierlichkeiten nahmen zahlreiche Vertreter des Hochadels teil.

Das Haus, in dem ich geboren, wurde, war ein Bürgerhaus - wie es viele in Coburg gab. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind nur sehr schwach. Erinnern kann ich mich aber noch daran, dass am Ende der Schenkgasse eine Holzbrücke über den Hahnfluss führte, von der aus ich als kleiner Junge immer Schiffchen in den Fluss eingesetzt habe. Diese habe ich dann bis zur Hahnmühle, die etwa dort stand, wo heute die Warenanlieferung des Kaufhofes ist, verfolgt. Dort, wo heute das Parkhaus Post steht, war am Hahnfluss entlang eine Häuserzeile und davor ein freier Platz, auf dem immer die Postbusse standen. Am Ende dieser Häuserzeile war eine Schreinerei. Gegenüber der Post (wo heute Norma ist), war eine Tankstelle und - wo heute das Alfons Goppel Haus steht - waren Obstgärten. Nur ein Fußweg führte zur Kreuzung Seifartshof, auf der rechten Seite war ein Biergarten.

  Noch im Jahre 1932 spürte man auch in Coburg die weltweiten Auswirkungen vom „schwarzen Freitag“, dem Börsensturz in New York am 25.Oktober 1929. Rezessionen, Inflation, eine hohe Arbeitslosigkeit und Unruhen waren die Folgen. Die Menschen waren zu dieser Zeit sehr arm, aber auch sehr genügsam. Unsere Wohnung war im dritten Stock und wie in allen Bürgerhäusern war die Toilette im Treppenhaus. So war es in der damaligen Zeit auch üblich, dass unter den Betten ein Nachttopf stand, was nicht immer angenehm war.
In der Küche war ein Küchenherd, der den ganzen Tag mit Nachschub versorgt werden musste, er war Kochstelle und Heizung zugleich. Da der Herd ja auch im Sommer benutzt werden musste, war es oft sehr heiß in der Küche.
Die Frauen hatten es in dieser Zeit sehr schwer, es gab noch keine Waschmaschinen oder Pampers,
alles musste mit der Hand gewaschen werden. Tag für Tag stand der Windeltopf auf dem Küchenherd und der Duft von gekochten Windeln, mischte sich mit dem Essensduft in der Küche. So war es kein Wunder, dass wir sehr früh ans Töpfchen gewöhnt wurden, um unserer Mutter die Arbeit zu erleichtern.


Die große Wäsche war für die Frauen Schwerstarbeit. Die Wäsche wurde in der Waschküche am Abend vorher eingeweicht, morgens wurde der Waschkessel mit Holz oder Reisig angeheizt. Die Wäsche wurde im Waschkessel gekocht, anschließend mit Seife eingerieben und mit einer Bürste oder Rumpel behandelt. Danach noch zweimal gespült, bis das Wasser klar war.
Da wir keine Möglichkeit zum Aufhängen der Wäsche hatten, mussten wir unsere Wäsche zum Trocknen mit dem Handwagen zum Anger fahren. Dort, wo heute die Sporthalle steht, war zwischen den Bäumen ein Platz, um die Wäsche zu trocknen. Da sehr viele Coburger Familien ihre Wäsche zum Trocknen dorthin brachten, gab es auch sehr oft Streit um den besten Sonnenplatz und die Leinen.


Um uns Kinder wurde nicht so viel Aufsehen gemacht, wir wurden in einen Laufstall gesetzt und waren mit einer Rassel und einem Glöckchen stundenlang zufrieden. Es gab auch noch keine Fertignahrung für Babys, unsere Nahrung wurde jeden Tag frisch gekocht. Unsere Ernährung reichte von der Milchflasche über Mehl- oder Haferflockenbrei, Kartoffelbrei, Möhren und unser Lieblingsessen Spinat, von dem das meiste auf dem Lätzchen wieder zu finden war.
Bäder oder Duschen gab es noch nicht. So war es auch üblich, dass nur einmal in der Woche gebadet wurde. In einer Zinkbadewanne, die zwischen zwei Stühlen in der Küche aufgestellt war, wurden wir gebadet. Das Wasser wurde in einem großen Topf auf dem Küchenherd erwärmt.
Zum Glück hatten meine Großeltern und später auch meine Eltern einen Schrebergarten in den Itzauen, (die waren dort, wo heute die Firma Brose steht), sodass wir mit Gemüse und Obst gut versorgt waren. Das selbst angebaute Gemüse, hat sehr geholfen, unsere Ernährung einigermaßen sicherzustellen.


 


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Günter K.


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Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Lebensberichte |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:36:59


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