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Schlittenfahrt

990 Von einem Familienausflug mit Ziel Finkenauer Wäldchen stammte dieses Foto der Familie Kraus mit Coburg im Hintergrund

Ein Beitrag von Elisabeth Kraus

Das frühere Leben in den Coburger Kriegsjahren war für uns Kinder nicht immer sorgenfrei und unbekümmert. Es war gar nicht so einfach, die Seele baumeln zu lassen. Wegen des häufigen Fliegeralarms durften wir Kinder den Festungsberg bzw. das Veilchental im Winter zum Rodeln und im Sommer zum Spielen ohne Aufsicht kaum nutzen. Demnach nur an den Wochenenden und nur in Begleitung von Erwachsenen. So suchten wir Kinder nach anderen Möglichkeiten. Im Sommer nutzten wir in unserer knappen Freizeit die grüne Wiese mit den duftenden Gräsern und Gartenanlagen zum Toben und Spielen. Mit den Nachbarjungen war immer etwas los und es war nie langweilig.

Im Winter traf sich die bekannte Bande bei den kleinen Hügeln zum Schlittenfahren und Rodeln. Wenn es auch winzige Hügel waren, hatten sie es dennoch in sich und waren ganz schön oho! Natürlich wälzten wir uns auch im Schnee und Schneeballschlachten boten sich geradezu an. Allerdings froren wir in unserer damaligen einfachen Winterkleidung sehr schnell, da das Material aus Wolle bestand, sie wurde schneller nass und wir verließen früher als vielleicht gewollt das „Schlachtfeld“ und kehrten vor der Dämmerung heim.

Der nächst größere Hügel bzw. Erhebung war der Hintere Glockenberg und die höchste Stelle war Blumen Wacker. Von dort aus ging unsere Schlittenfahrt rasant bergab zur Ketschendorferstraße (es bestand keine Gefahr wegen Straßenverkehr, weil es damals kaum Fahrzeuge gab).

Irgendwann kam dann einer von uns auf den grandiosen Einfall, die Schlitten zusammen zu binden. Daraus entstanden mehrere Bobs, manchmal mit 4 oder 5 Anhängseln und weil meistens die Rodelbahn spiegelglatt war, schafften wir es nie ohne umzukippen unten anzukommen. Tanzte doch immer ein Bob aus der Reihe und wenn er quer lag, stürzten alle Anhängsel und wir wälzten uns im Schnee. Da kam Freude auf. Natürlich kriegten wir uns in die Haare, da flogen auch die Fetzen, weil jeder von uns glaubte, es besser zu können. Wir wechselten ständig die Anführer im ersten Bob. Doch immer wieder kippte die Bobkolonie in der Kurve und wir landeten im Graben. Das war einfach Spaß pur. Und trotz der schwierigen Zeit bewahrten wir uns so gut es ging die Kindheit.

 


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Quellen

Elisabeth Kraus


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Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Stadtansichten | Zweiter Weltkrieg | Besondere Erlebnisse | Aus dem Alltag |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:59:55


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