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1941

Dr. Rudolf Kaufmann, geb. 1909 / Hohe Straße 30

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Hohe Straße 30

Hier lehrte Dr. Rudolf Kaufmann, geboren am 3. April 1909 in Königsberg. Dr. Kaufmann trat am 15. Oktober 1935 eine Stelle als Lehrer im Internat von Hermann Hirsch an. Über die Schule in der Hohen Straße 30 schrieb er in einem Brief: „Das Haus ist sehr, sehr schön in einem großen Park gelegen. Der Leiter ist ein recht netter Mensch. Ich werde außer Turnen noch Geographie, Biologie, Physik und Zeichnen geben. Es sind zusammen 43 Schüler, alles nette, frische Jungens und Mädchen. Die Schüler haben mich alle gleich gern gewonnen. Nun bin ich hier in Coburg schon ganz eingelebt. Geliebt von den Schülern, unentbehrlich für den Leiter.“
Die Euphorie des Lehrers sollte nicht lange anhalten: Schon am 15. September 1935 hatte die NSDAP die sogenannten Nürnberger Rassengesetze verkündet. Eines dieser neuen Gesetze verbot den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Ariern. Bei Dr. Rudolf Kaufmann kam dieses Gesetz im Juli 1936 zur Anwendung: Weil er ein Verhältnis mit einer Arierin hatte, wurde der Lehrer festgenommen. Die Coburger Nationalzeitung schrieb: „Wegen Rassenschande festgenommen: Ein Charakteristischer Fall jüdischer Unverfrorenheit in Coburg. Dieser Vorfall beweist wieder einmal, mit welcher Unverfrorenheit heute noch, nachdem der nationalsozialistische Staat die arische Rasse durch strenge Gesetze geschützt hat und die deutschen Volksgenossen hinlänglich aufgeklärt sind, der Jude seine Opfer sucht.“
Am 10. Dezember 1936 wurde Dr. Rudolf Kaufmann von der Großen Strafkammer am Landgericht Coburg des Verbrechens der Rassenschande für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre verurteilt. Am 12. Oktober 1939 wurde Dr. Kaufmann wieder freigelassen. In einem Brief schrieb er: „Ich rechne damit, dass auch ich nach Lublin in Polen gehen muss. Ich will ja nur leben und arbeiten können.“ Dr. Kaufmann floh aus Deutschland und ging nach Kaunas in Litauen. Im Sommer 1941 überfielen die Deutschen Litauen. Unmittelbar danach begann die SS dort mit der Ausrottung von Juden. Aus einem Brief geht das weitere Schicksal Dr. Kaufmanns hervor: „Als er eines Tages per Rad über Land fuhr, ergriffen ihn 2 deutsche Soldaten. Der eine sagte, das ist doch der Jude Kaufmann aus Königsberg, meine Braut oder Frau war bei seinen Eltern Hausangestellte, ich kenne ihn ganz genau. Anschließend brachten ihn die Soldaten um.“

 

Paten Dr. Rudolf Kaufmann: Buchhandlung Riemann



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Quellen

Fromm, Hubert: Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Herausgegeben vom Evangelischen Bildungswerk Coburg und der Initiative Stadtmuseum Coburg. Neustadt bei Coburg. Patzschke 2001. (Stadtarchiv Coburg)


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Kategorien: Stolpersteine |

letzte Aktualisierung am 18.01.2018 20:53:46