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18.01.1996

Feste feiern in der neuen Heimat und ein ungewöhnlicher Haarschnitt

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Christina Wacker: Guten Tag, wie heißen Sie? 

Irena Wacker: Ich heiße Irina Wacker auf Russisch, auf Deutsch Irena Wacker. 

Christina Wacker: Wie alt sind Sie? 

Irena Wacker: Ich bin 62 Jahre alt. 

Christina Wacker: Wann sind Sie nach Coburg gekommen? 

Irena Wacker: Wir sind am 18.01.1996 nach Coburg gekommen. 

Christina Wacker: Aus welchem Land sind Sie gekommen? 

Irena Wacker: Wir sind aus Kasachstan gekommen, aus Taras. Wir haben dort 40 Jahre lang gelebt, in einem großen Haus und hatten eine Sauna. Und hier haben wir nur eine Wohnung. Wir hatten viele Tiere und haben alle zusammen gelebt. Ich bin mit meinem Vater und meinen Kindern nach Deutschland gekommen. Wir sind direkt nach Bayern gekommen, weil hier unsere Vorfahren lebten. Wir waren zwei Wochen in einem Auffanglager und aus dem Lager sind wir dann gleich nach Coburg gekommen. Wir sind seit 16 Jahren in Coburg. Anfangs haben wir 2 Jahre in Coburg in der Spitalgasse gewohnt. Dann haben wir, also jeder von uns, eine eigene Wohnung bekommen. Ich hab immer auf meine Enkelin aufgepasst, weil meine Tochter gearbeitet hat und ihr Mann auch. Wir sind oft mit dem Bus zu McDonalds gefahren und waren oft spazieren, z.B. auf dem Marktplatz. Einmal wollte ich mit meiner Enkelin in einen Laden fahren. An der Bushaltestelle, an der wir aussteigen sollten, wollte meine Enkelin weiter zu Mc Donalds fahren. Es gab einen kleinen Streit, aber im Endeffekt sind wir doch ausgestiegen. 

Christina Wacker: Warum sind sie nach Coburg gekommen? 

Irena Wacker: Alle sind gefahren, also sind wir auch gefahren. Weil unsere Vorfahren auch hier waren. 

Christina Wacker: Was war Ihr erster Eindruck von Coburg? 

Irena Wacker: Die Stadt erschien sehr klein, altertümlich und schön. 

Christina Wacker: Was ist Ihre erste Erinnerung an Coburg? 

Irena Wacker: Wir sind auf die Veste gegangen und haben uns alles angeschaut. Von oben aus konnten wir die ganze Stadt betrachten. 

Christina Wacker: Was ist Ihre schönste Erinnerung an Coburg? 

Irena Wacker: Meine schönste Erinnerung ist, dass an Feiertagen die Stadt geschmückt wird und das alles voller Lichter ist. So wie an Weihnachten die Tannenbäume geschmückt werden und an Ostern Eier aufgehängt werden. Noch eine schöne Erinnerung ist das erste Frühlings- oder Schützenfest, bei dem ich war. Ich weiß nicht mehr, welches es war. Wie schön die Buden und Karussells geschmückt waren und wie viele verschiedene Leute es dort gab. Einmal hab ich einen Mann getroffen, der hatte eine Frisur, die ich noch nie gesehen hatte, einen roten Irokesenschnitt. Er hatte auch verschiedene Schuhe und Schnürsenkel an. Das bleibt für immer in meiner Erinnerung.

Und ich erinnere mich noch an das erste Samba, das ich hier gesehen habe. Ich mag es, wie die Brasilianer tanzen und wie sie schön angezogen sind. 

Christina Wacker: Was gefällt Ihnen an Coburg? 

Irena Wacker: Ich mag die ganzen Feste, z.B. Samba oder im Winter den Weihnachtsmarkt. 

Christina Wacker: Was gefällt Ihnen nicht an Coburg? 

Irena Wacker: Ich wohne neben dem Hofgarten und mir gefällt es gar nicht, wenn Leute im Park Bier trinken und ihre Flaschen dann ins Gebüsch werfen. Und ich mag es nicht wenn man mit dem Bus fährt und Kinder und Jugendliche die Plätze nicht anbieten.

"Menschen aus mehr als 100 verschiedenen Nationen leben in der Stadt Coburg. Ganz nach dem Motto „Wir sind Coburg!“ sammelten Jugendlichen für die Internationalen Woche vom 16. bis 24. Juni 2012 Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern, die aus unterschiedlichen Ländern in die Vestestadt gekommen waren. Während der Internationalen Woche präsentierten Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mit einem bunten Programm Bräuche, Traditionen und kulinarischen Köstlichkeiten aus ihrer Heimat. Mit dabei war auch der interaktive Zeitstrahl des Digitalen Stadtgedächtnisses.

Wir bedanken uns für die aktive Mithilfe bei den beteiligten Familien und bei Frau Hanl vom Internationalen Kinder- und Jugendzentrum „Kaleidoskop“ in Wüstenahorn und dem Türkischlehrer Herr Zengin."

 



Verknüpfte Dokumente
 
Quellen

Interview: Christina Wacker, 8. Klasse, Gymnasium Alexandrinum interviewte ihre Oma Irena Wacker


Informationen

Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Stadt.Geschichte.Zukunft |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:22:00


 

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