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Esther Hirschfeld, geb. 1920

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Untere Anlage 2, Gymnasium Albertinum

Hier lernte Esther Hirschfeld, geboren 1920. Esther Hirschfeld war die Tochter von Berta und Hermann Hirsch, die in der Hohen Straße ein jüdisches Internat besaßen. Gegen ihr Elternhaus wütete unablässig der Hass der Nazis.

Nach der Volksschule besuchte Esther Hirschfeld das Gymnasium Alexandrinum. Sie war die einzige Jüdin in ihrer Klasse und schutzlos dem Hohn und Spott mancher Lehrer ausgesetzt, die den Judenhass pädagogisch vermittelten. Sprüche wie: „Kinder, wisst ihr, was Juden sind? Sie tragen Bärte und in diesen Bärten leben Ameisen“, waren im Unterricht an der Tagesordnung. Allmählich wurde die Atmosphäre für Esther Hirschfeld immer unerträglicher. Ihr Vater sprach daraufhin mit der Leiterin des Gymnasiums, die zwar Verständnis zeigte, aber eingestehen musste, dass die Schule von einigen Lehrern beherrscht werde, gegen die sie nichts unternehmen könne. Also ging die Tortour für das Mädchen weiter. Schließlich verließ Esther Hirsch die Schule. 1935 schickten die Eltern sie nach Frankfurt und von dort aus nach Lausanne in die Schweiz. Esther Hirschfeld war damit zwar dem direkten Zugriff der Nazis entzogen, hatte aber nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Als sich die Situation in Coburg weiter verschlimmerte und die Familie Hirsch immer mehr unter Druck geriet, beschloss die Familie nach Palästina auszuwandern. Zu diesem Zweck brauchte Esther Hirschfeld einen palästinensischen Pass. Die einzige Möglichkeit, diesen zu bekommen war die Heirat mit einem Palästinenser. Ihre Schwester, die bereits in Palästina war, fand schließlich einen jungen Geschäftsmann aus Tel Aviv, der einen seiner Angestellten in die Schweiz schickte, um Esther Hirschfeld zu heiraten. Kurz nach der Hochzeit verließ das Paar die Schweiz und ging nach Palästina, wo die Scheidung arrangiert wurde. 1944 zog Esther mit ihrer Mutter nach Nahariya, wo sie als Erzieherin arbeitete. Später heiratete sie einen ebenfalls nach Palästina ausgewanderten Deutschen und bekam zwei Kinder. Zuletzt arbeitete sie als Reiseführerin für deutsche Touristengruppen, die Nahariya, eine kleine Stadt, etwa zehn Kilometer von der Grenze zum Libanon, besuchten.

Noch als 70-jährige Frau schrieb Esther Hirschfeld, dass sie sich aufgrund der Ereignisse in ihrer Kindheit ihr ganzes Leben lang nirgends mehr sicher gefühlt habe.

Pate: Evangelische Jugend Coburg



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Quellen

Stadtarchiv Coburg


Informationen

Kategorien: Stolpersteine |

letzte Aktualisierung am 23.05.2014 08:46:54


 

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