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1949 - 1958

Meine Kindheit im Bahnhof Teil I

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39971 Alma Pilling mit Familie und Team um 1949 zur Wiedereröffnung der 1. Klasse Foto: U. Broecheler privat

Eröffnungsanzeige des Ehepaars Pilling 1931
Quelle: unbekannt

Ein Beitrag von Ursula Bröcheler

1945 in Coburg geboren, aufgewachsen im Bahnhof, verbrachte ich bis 1956 hier meine Kindheit. Meine Großmutter Alma Pilling, Bahnhofswirtin, bewirtschaftete von 1931 bis 1958 die Bahnhofsgaststätte. Es war eine andere Zeit, es hat sich viel verändert!

Beginnen wir mit der 2. und 3. Klasse des Wartesaales. Dies war ein großer, durch eine Holzwand unterteilter Raum, der als dritte Klasse ein reiner Wartesaal war, in dem es schon früh morgens recht lebendig zuging. Die Fahrschüler aus dem Umland trafen hier ein und wer noch Zeit hatte, genehmigte sich eine Himbeer-Brause oder bat um ein Glas Wasser. Dann machte man sich auf den Weg zu den Gymnasien. Nach Schulschluss traf man sich hier erneut und wartete auf den Zug in die Provinz.

Hinzu kamen die Marktfrauen mit ihren Kiepen, die sie auf dem Rücken trugen. Je nach Saison waren sie gefüllt mit Schlüsselblumen, Maiglöckchen, Heidelbeeren, Pfifferlingen und Steinpilzen. Sie alle hatten als erste Anlaufstelle für eine Abnahme ihrer Ware die Bahnhofsgaststätte im Auge. Häufig war die Kiepe schnell gelehrt und man konnte zügig den Heimweg antreten.

Aber es gab auch noch eine andere Seite. Menschen von jenseits der Zonengrenze nutzten die Nacht, um die Grenze zu überwinden. Morgens saßen sie erschöpft und übermüdet in der dritten Klasse auf ihren Koffern und Kartons und warteten auf das, was in diesem Teil Deutschlands auf sie zukommen würde. An besonderen Feiertagen, wie Weihnachten, litten GI’s unter Heimweh, und tranken gerne ein Glas zu viel. Ruhe schaffte dann die MP, die für einen kostenlosen Rücktransport zur Kaserne sorgte.

Die zweite Klasse bot eingedeckte Tische und einfache Gerichte wie: Bockwurst mit Semmel, Bratwurst mit Kraut, Kraftbrühe mit Ei und einem kleinen oder auch großen Sturm-Bier. Nun, wer verkehrte in der zweiten Klasse? Es waren meist die Kurzreisenden aus Wiesental Großwalbur, Rodach oder Neustadt, die mal eben in die Stadt kamen und nach einer Pause wieder zurück an das „Ende der damaligen Deutschen Welt“ fuhren.

 



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Quellen

Ursula Bröcheler privat


Informationen

Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Meine Kindheit und Jugend in Coburg |

letzte Aktualisierung am 17.07.2014 14:35:32


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