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1938

Die Schulzeit

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Politisch hatte es eine Veränderung gegeben und nach einigen Jahren ging es endlich mit der Wirtschaft wieder aufwärts. Die Menschen hatten wieder Arbeit, es wurde viel gebaut und auch wir sind 1938 umgezogen in ein neueres Haus am Stadtrand von Coburg. Mein Vater hatte ganz in der Nähe in der Hindenburg-Kaserne eine Arbeit als Schreiner gefunden. In unserer Straße gab es viele Kinder, sodass uns der Wohnungswechsel nicht schwer gefallen ist. Im Gegenteil, wir waren plötzlich frei wie Vögel, um uns herum Felder und Wiesen, was wir so nicht kannten. Wir konnten auf der Straße spielen, ohne Angst haben zu müssen, dass ein Auto kommt.
 

Da der Stichtag für die Schuleinführung in dieser Zeit noch Ostern war, wurde ich erst Ostern 1939 eingeschult. Ausgerüstet mit einem Schulranzen und Zuckertüte, ersterer enthielt eine Schiefertafel mit Griffel und selbstgehäkeltem Lappen und einen Schwamm sowie ein Lesebuch, letztere war vor allem mit Holzwolle aufgefüllt und obendrauf ein paar Karamellen oder Plätzchen. So ging ich zusammen mit unseren Eltern und meiner Schwester zur Schule. Etwas mulmig war mir schon dabei, hat man uns doch immer gesagt, es beginne der Ernst des Lebens.
Meine Schule war eine Schule für Jungen und Mädchen, aber streng getrennt. Wir durften auf keinen Fall den Bereich der Mädchen betreten. Selbst in der Pause wurden wir beobachtet und bei Vergehen gab es Strafen.
Wie schon beschrieben, hatten wir in den ersten Klassen noch keine Hefte, sondern eine Schiefertafel. Wir haben auch bis zur dritten Klasse noch die deutsche Schrift gelernt.

Zur Schule mussten wir zu Fuß gehen, der Weg war  cirka 1,5 Kilometer lang. Da wir aber sehr viele Kinder auf diesem Weg waren und unterwegs so manchen Blödsinn machten, ist uns das gar nicht so bewusst geworden. Wir machten zum Beispiel Juckpulver aus Hagebutten und versuchten es den Mädchen in den Kragen ihrer Bluse zu stecken, das juckte fürchterlich. Im Herbst versuchten wir uns gegenseitig mit Kletten zu bewerfen und im Winter mit Schneebällen.
Unsere Lehrer waren sehr streng und wir bekamen oft den Rohrstock zu spüren. Besonders die Schläge mit dem Rohrstock auf die Finger taten weh. Dabei machten auch die Pfarrer keine Ausnahme. Körperliche Züchtigung war zu unserer Schulzeit eine gängige Erziehungsmaßnahme. Aber zum Glück gab es auch ein paar Lehrer, die nicht so streng waren. Sport war bei uns Pflichtfach und in den Turnhallen gab es noch Kletterstangen, cirka 4 Meter hoch. Jeder musste da hoch und das, ohne angeseilt zu sein. Ich glaube, das würden heute nicht mehr viele Schüler schaffen. In der Schule ging alles sehr geordnet zu, wir mussten uns im Schulhof Klassenweise aufstellen und gemeinsam ging es dann ins Klassenzimmer. Das gleiche galt auch beim Rausgehen auf den Schulhof oder zurück in die Klasse sowie beim Besuch der Turnhalle.



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Quellen

Günter K.


Informationen

Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Lebensberichte |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:39:27


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