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1940

Freizeit und Schulferien

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Wir Kinder mussten beim Spielen sehr kreativ sein, Kinderspielplätze oder Fußballspielplätze gab es nicht. Unser Spielzeug, haben wir uns selbst gebastelt. Unser Erfindungsreichtum war grenzenlos, von alten Fahrrädern wurden die Felgen abmontiert oder von alten Kinderwägen Räder, in deren Mitte wir einen Rundstab einfügten.

Damit spielten wir Reifeles. Mit Kreide wurde ein Hüpfspiel auf die Straße gezeichnet. Wir übten Seilspringen, Stelzenlaufen, Kreiseln oder spielten Völker- oder Fußball. Natürlich hatten wir keinen richtigen Fußball, den bastelten wir uns selbst: Aus alten Zeitungen und Stoffresten (Lumpen) wurde eine Kugel geformt und mit einer Schnur fest umwickelt. Wenn wir viele Kinder waren, spielten wir oft Schander und Räuber. In Gedanken wurde ein Gebiet ausgewählt und eine Gruppe, die Räuber, versteckten sich innerhalb dieses Gebietes, die Schander (Schandarme) mussten versuchen, sie zu finden und gefangen zu nehmen. Das war natürlich nur möglich, da wir auch einmal durch einen fremden Garten laufen konnten, ohne gleich angezeigt zu werden. Einen Roller oder Rollschuhe hatten nur sehr wenige Kinder und wir waren schon glücklich, wenn wir einmal damit fahren durften.
An Flüssen oder Bächen bauten wir Dämme und Brücken, setzten selbstgebaute Wasserräder ein. Auf einem Weidenbaum bauten wir uns ein Baumhaus.
Wir mussten eben improvisieren oder kreativ sein, das Angebot an Spielzeug war sehr gering und meist konnten wir es uns auch nicht leisten. Unsere Kleidung war sehr ärmlich: Wenn ein Loch in der Hose oder in den Strümpfen war wurde es geflickt. Lange Hosen kannten wir als Kind überhaupt nicht. Im Sommer gab es kurze Hosen und im Winter gestrickte Strümpfe, die an einem Leibchen mit Gummibändern angeknöpft waren.
Der Nikolaus, vor dem wir noch große Ehrfurcht hatten, und schon Wochen vorher besonders brav waren und der Mutter im Haushalt geholfen haben, brachte uns, wenn wir Glück hatten, auch einmal eine neue Hose oder Jacke, Äpfel, Nüsse oder ein kleines Spielzeug.

Schulferien
Es war in unserer Kindheit nicht üblich, zu verreisen, unsere Ferien verbrachten wir zu Hause und im Garten. Worüber wir uns besonders freuten, war, wenn wir mit unserer Mutter nach Thüringen zu unseren Verwanden fahren durften. Das waren für uns immer besondere Erlebnisse. Unsere Verwanden hatten eine Landwirtschaft und viele Tiere. Während die Arbeitskraft unserer Mutter bei der Heuernte oder sonst auf dem Felde gebraucht wurde, machten wir so manchen Unsinn mit unseren Cousins und Cousinen in Stall und Scheune. Die hatten eine Schaukel in der Scheune, die war so angebracht, dass man mit vollem Schwung beim Abspringen im Heuboden landen konnte, wer am weitesten fliegen konnte, war Sieger. Ab und zu durften wir auch mit aufs Feld, zum Beispiel bei der Kartoffelernte. Die wurden damals noch mit einer Schleuder aufs Feld geworfen und mussten einzeln aufgelesen und in verschiedene Körbe sortiert werden (kleine und große). Anschließend wurden sie in Säcke eingefüllt.
Gästebetten gab es in dieser Zeit noch nicht, ich durfte dann immer mit im Bett meines Cousins schlafen. Lange lagen wir oft wach und erzählten uns Geschichten oder etwas aus unserem Leben. Er lebte auf dem Lande und ich in der Stadt, das war schon ein großer Unterschied.
Gott sei Dank, dass wir die Wiedervereinigung beide noch erleben durften. Noch heute, wenn ich mit meinem Cousin und Cousinen zusammentreffe, schwärmen wir von den schönen unvergesslichen Zeiten, die wir in unseren Ferien gemeinsam verbracht haben.



 



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Quellen

Günter K.


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Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Lebensberichte |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:39:07


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