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1945

Die letzten Kriegstage

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Im März 1945 wurde auch Coburg zum ersten Mal von Fliegern angegriffen. Bomben fielen auf das Adolf-Hitler-Haus am Güterbahnhof und sonst noch einige Häuer in der Stadt brannten. Tiefflieger überflogen die Stadt und feuerten auf alles, was sich bewegte. In der Umgebung wurden so manchem Bauer auf dem Felde die Pferde erschossen.
Die Bevölkerung von Coburg spürte, dass das Ende des Krieges näherrückte. Wir Kinder hatten kaum noch Schule, vor allem unsere Lehrer, die Funktionäre in der Partei, waren wurden unruhig. Sie erzählten uns etwas von einer Wunderwaffe, die der Führer habe, aber wir wollten das nicht mehr so richtig glauben. Immer mehr Volkssturm-Leute wurden eingesetzt, um Schützengräben auszuschaufeln und an den Brücken wurden Panzersperren errichtet und Sprengladungen angebracht. Durch die Straßen fuhren Autos und Motorräder mit SS-Leuten. Erst später haben wir erfahren, dass es Standgerichte waren, im Volksmund auch Kettenhunde genannt.
Wir Kinder haben gesehen, wie zwei Soldaten an einem Vogelbeerbaum in der Lauterer-Straße aufgehängt wurden. Ein dritter hat versucht zu fliehen, den haben sie am Rottenbach erschossen und dort vergraben.

Da wir direkt an der Bahnlinie Coburg-Eisfeld wohnten, bekamen wir auch mit, als ein Güterzug mit Soldaten und Geschützen in Richtung Eisfeld vorbei fuhr. Kurze Zeit später kamen im Tiefflug zwei Jabos (Jagdbomber) angeflogen und verfolgten den Zug. Aus der Ferne hörten wir dann Geschützfeuer, später haben wir dann erfahren, dass der Zug auf der Höhe von Tiefenlauter angegriffen wurde und dass es viele Verletzte gegeben hat.

Wie ein Lauffeuer ging es von Mund zu Mund, dass die Wehrmacht die Kasernen verlassen hatte und dass es dort noch Lebensmittel und viele andere Sachen zu holen gab. Sofort machten wir uns auf und liefen zu der Kaserne. Im hinteren Teil der Kaserne war ein Lager für Uniformstoffe und Schuhe für die sogenannten Blitzmädchen. Das waren junge Frauen, die bei der Wehrmacht meist im Nachrichtendienst eingesetzt waren. Dorthin ging unser erster Besuch, aber wir mussten feststellen, die Ballen Stoffe waren für uns Kinder viel zu schwer, also weiter in eine andere Halle. Dort lagerten tausende von Schuhen, aber wie es so üblich ist, waren in der Eile viele Schuhe aus den Kartons herausgerissen und es war sehr schwer, wieder ein Paar zu finden, das zusammenpasste. Einige haben wir trotzdem gefunden und mitgehen lassen. Anschließend noch ein Besuch in der Kantinenküche und im Keller, wo auch noch etwas Brauchbares zu finden war. Einen Handwagen hätten wir haben sollen, aber den hatten wir nicht.
Auch das Proviantlager der Wehrmacht in Neuses, in dem noch Mengen von Lebensmittel lagerten, wurde geplündert. Wie schon in der Kaserne, waren die Bauern mit ihren Pferdewagen wieder die Gewinner.
Das war einen Tag vor dem Panzeralarm.
 



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Quellen

Günter K.


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Kategorien: Zeitzeugenberichte

| Lebensberichte |

letzte Aktualisierung am 17.03.2014 15:38:29


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