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Die Totenlachen bei Scherneck

994 Bei den Totenlachen herrscht eine besondere Atmosphäre, die den Betrachter in seinen Bann zieht. Foto: Ulrich Göpfert 2010
Bei den Totenlachen herrscht eine besondere Atmosphäre, die den Betrachter in seinen Bann zieht. Foto: Ulrich Göpfert 2010


Foto: Ulrich Göpfert 2010
Foto: Ulrich Göpfert 2010
Foto: Ulrich Göpfert 2010
Foto: Ulrich Göpfert 2010
Hinter diesen Bäumen sind die Totenlachen zu finden.

Foto: Ulrich Göpfert
Hinter diesen Bäumen sind die Totenlachen zu finden. Foto: Ulrich Göpfert

Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

In früheren Zeiten suchten die Menschen Unterhaltung und Geselligkeit an den langen Winterabenden in der Lichtstube. Dort fand man sich bei fröhlichem Gesang und unterhaltsamen Erzählungen zusammen. Die jungen Leute unterhielten sich prächtig, die Mädchen spannen den Flachs und sangen allerlei Lieder, die Burschen zeigten Kunststückchen oder stimmten in den hellen Gesang der Mädchen mit ein.

Aber nicht immer herrschte in der Lichtstube diese Ausgelassenheit. Mit heimlicher Stimme erzählte der ein oder andere Geister- und Gespenstergeschichten. Ein geheimnisvoller Ernst war dann auf den Gesichtern zu lesen. Selbst die Mäuslein konnte man nagen hören. Jeder fühlte sich recht wohlig und geborgen in der warmen Stube bei dem flackernden Schleißenlicht, während draußen der Sturm den Schnee an die Fenster wirbelte.

Heute war Hans, ein Bauernsohn aus Scherneck an der Reihe eine Geschichte zu erzählen. Er hatte sich dazu vorher Auskünfte von seiner Großmutter über eine Sage, die sich unweit vom Dorf Scherneck zugetragen haben soll, eingeholt. Unweit der Landstraße, im Grund zwischen Meschenbach und Scherneck, erstreckten sich einst ausgedehnte Sümpfe voll wilden Erlengebüsches. Unheimlich waren dort die tiefen Wasserlöcher, die ohne Grund zu sein schienen und im Winter nie zufroren. Heute heißen noch einige sumpfige Stellen die "Totenlachen".

Einmal saßen in der Spinnstube zu Scherneck die Burschen und Mädchen zur Zeit der "Zwölf Nächte" zusammen. Da ging auf einmal die Tür auf und herein traten drei Mädchen, die niemand kannte. Sie trugen leichte seidene Kleider, ihre Haare fielen hell und weich um ihre zarten Gesichter. Die Jungfrauen verneigten sich und sagten, dass sie schöne Lieder und Erzählungen gerne hätten.

Sie setzten sich zu den Mädchen und spannen mit. Sie konnten aber viel besser spinnen als die Dorfmädchen und hatten wundersam feinen Flachs am Rocken. Um Mitternacht nahmen sie Abschied und wollten von niemand begleitet werden. So ging es viele Abende, die schönen Jungfrauen kamen, hörten sich die Erzählungen an, sangen mit und spannen. Aber stets um Mitternacht brachen sie immer rasch auf, liefen eilig zum Dorf hinaus und verschwanden.

Acht Abende mochten so vergangen sein, als sie eines Abends beim Abschied seufzend sagten, dass sie morgen die Spinnstube das letzte Mal besuchen würden. Einige Burschen waren aber neugierig, wohin die fremden Mädchen wohl gingen. Sie legten sich auf die Lauer. Als die Fremden die Spinnstube verließen, wollten die Burschen sie aufhalten. Da liefen die drei von der Straße weg über die Wiesen und stürzten sich vor den Augen der nachjagenden Burschen dort in die tiefen Wasserlöcher. Als die Burschen hinzukamen, war nichts mehr von den drei Jungfrauen zu sehen. Sie wurden auch am anderen Tag nicht im Wasser gefunden.

Aber von der Zeit an schwimmen auf der großen Totenlache drei Blutstropfen. Die kann jeder sehen, der den Glauben hat.


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Quellen

Friedrich Mihm

Externer Link: http://www.ulrich-goepfert.de


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letzte Aktualisierung am 21.07.2010 12:06:43 von Dr. Kerstin Lindenlaub


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