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Coburg und seine Polizei - Nachkriegszeit

795 Die alte Polizeiwache am Markt in der Rosengasse
Die alte Polizeiwache am Markt in der Rosengasse


Ein Einsatzwagen Opel Blitz der Stadtpolizei Coburg
Ein Einsatzwagen Opel Blitz der Stadtpolizei Coburg
Stadtpolizist Gerhard Steuer
Stadtpolizist Gerhard Steuer
Stadtpolizist Helmut Götz mit einem Hundeführer
Stadtpolizist Helmut Götz mit einem Hundeführer

Von Hans-Jürgen Schmidt, Helmut Götz und Wolfgang Schneider, Coburg

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges löste die amerikanische Militärregierung zunächst alle bestehenden Polizeieinrichtungen in Bayern auf und ordnete deren Neuaufstellung nach demokratischen Grundregeln an. Neben 150 Gemeinde- und Stadtpolizeien in Stärken von 2 bis 3.000 Beamten wurde in den Regierungsbezirken die Landpolizei, die „Landjägerei“ sowie die Bayerische Landesgrenzpolizei gegründet. Zugleich trat mit Ende des Krieges ein Besatzungsrecht in Kraft, dessen Schärfe noch heute erschreckt. Dass es dennoch 1945 nur wenig abschreckte, erscheint kaum vorstellbar. Die Verordnung Nr. 1 der US-Militärregierung (OMGUS) führte 43 Tatbestände auf, 20 „mit dem Tode bedrohte Verbrechen“ und 23 „sonstige strafbare Handlungen“ (vgl. Amtsblatt für Land- und Stadtkreis Coburg Nr. 1 vom 11. August 1945).

Eine besondere Gefahr bildeten die in Coburg in der Hindenburgkaseren einquartierten „Displaced Persons“, ehemalige Zwangsarbeiter und Konzentrationslagerhäftlinge, die teilweise in bewaffneten Banden das Land terrorisierten und auch von der Besatzungsmacht nur mit Mühe in Schach gehalten werden konnten. Mehrere Morde erschütterten das Coburger Land. So wurde auf dem Lauterberg der Gendarmeriemeister Zuleg ermordet, ebenso ein auf Schloss Eichhof lebender ehemaliger Major der Wehrmacht. Die Coburger Polizei war diesen Personen gegenüber hilf- und machtlos. In die Kaserne durfte sie nicht, sie durfte auch keine Durchsuchungen und Festnahmen durchführen. Erst nach und nach wurde sie wieder bewaffnet.

Unter Führung des US-Generals Ernest H. Hermon wurde nach dem Leitbild der amerikanischen Bundesstaatspolizeien ab Februar 1946 die „US-Constabulary“, die so genannte „Blitzpolizei“, die den Spitznamen „Kartoffelkäfer“ erhielt, aufgestellt. Sie übernahm die „Patenschaft“ für die neue deutsche Polizei, in Coburg die 6th Squadron, 6th Constabulary Regiment. Die Führungsvorschrift der US-Constabulary forderte dabei schon 1946, die deutsche Polizei zu unterstützen, ohne sie einzuengen oder zu bevormunden. In Kap. 13c wies die Vorschrift darauf hin, dass, „obwohl die deutsche Polizei in der Zeit des Nationalsozialismus missbraucht und korrumpiert wurde, sie zu den besten Polizeien der Welt gehört habe und in ihren Reihen die besten Köpfe der Nation Dienst getan hätten.“ Bereits 1947 gab es gemischte deutsch-amerikanische Streifen. Im heutigen Stadtcafé am Spitaltor hatte die Constabulary eine eigene Wache.

Die Coburger Stadtpolizei mit ihrer Dienststelle in der Rosengasse bestand im Dezember 1945 aus 54 uniformierten Polizisten und acht Kriminalbeamten. Zivilkleidung, Armbinde und Holzknüppel bildeten die erste Uniformierung, bis aus Wehrmachtsuniformen eingefärbte blaue Uniform getragen werden durften. Die Dienstgradabzeichen bestanden zu diesem Zeitpunkt aus silbernen Ärmelstreifen. Als einzige kommunale Polizei Bayerns trugen die Angehörigen der Coburger Stadtpolizei ab 1955/56 bis zu ihrer Verstaatlichung – in Anlehnung an die Dienstgradabzeichen des seit September 1951 in Coburg stationierten Bundesgrenzschutzes – Schulterstücke (Stadtratsbeschluss vom 2. November 1955, TP. 9b.).

1948 wurde zeitlich begrenzt in der von-Berg-Kaserne (benannt nach dem 1915 gefallenen ersten Kommandeur des auch in Coburg stationierten 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95) ein 2. Polizeirevier sowie eine Verwaltungsschule geschaffen, während das Polizeiamt mit Schutzpolizei und Kriminaluntersuchungs-Abteilung weiterhin in der Rosengasse verblieben. Nur eine Abteilung der Schutzpolizei, die Verkehrspolizei, wurde in die von-Berg-Kaserne ausgelagert.

Die uniformierte Stadtpolizei wurde bis zur Verstaatlichung von folgenden Chefs geführt: Gerber, Todtenhaupt, Fischer, Lorenz, Ströhlein; die Kriminalpolizeiinspektion wurde von den Beamten Geese und E. Knoch geleitet.

_____________________

Info: EPHK a.D. Hans-Jürgen Schmidt, Jg. 1937, gehörte von 1956 bis 1997 dem Bundesgrenzschutz an und war langjähriger Einsatz und Ausbildungshundertschaftsführer.

Helmut Götz, Jg. 1934, trat 1953 in die Bayerische Bereitschaftspolizei ein und versah danach Dienst als Stationsbeamter der Bayerischen Landpolizei. Ab 1958 gehörte er der Stadtpolizei Coburg an, zuletzt als Leiter der Schutzpolizei. Von 1972 bis zu seinem Ruhestand 1994 leitete er die Station Coburg-Stadt der Bayerischen Landespolizei.

PHK a.D. Wolfgang Schneider, Jg. 1947, versah von 1968 bis 1999 Dienst im Bundesgrenzschutz.


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Quellen

Von Hans-Jürgen Schmidt, Helmut Götz und Wolfgang Schneider, Coburg Quellen: Stadtarchiv Coburg, Stadtratsprotokolle Bestand A, Nr. 80. 74 a-1955, G. Erbel, Die Polizei – Politische Fragen und Rechtsprobleme, Bundesgrenzschutzverband, Bonn 1975. Frank Finzel / Michael Reinhardt, Spuren: 175 Jahre Sparkasse Coburg, Coburg 1996. Robert Harnischmacher / Arved Semerak, Deutsche Polizeigeschichte, Stuttgart 1986. Heinz Hörnlein, Coburg und seine Polizei – Vortrag vor den Delegierten des Bayerischen Polizeibeamtenverbandes, 1974. Jubiläumsausgabe „Bayerns Polizei“ 2/1996: „50 Jahre Bayerische Polizei“. Adam Leppert, Von der Gendarmerie zur Bayer. Landespolizei – IPA- Bayernecho, September / Dezember 1993. -ders., Polizeigeschichtliche Sammlung Bayern, Bamberg 2001. Hans-Jürgen Schmidt, Wir tragen den Adler des Bundes am Rock – Chronik des BGS, der Innerdeutschen Grenze und der Grenztruppen der DDR, Band 1, Coburg 1993, und Band 2, Coburg 1994. -ders., An der Grenze der Freiheit – Die US Verbände am Eisernen Vorhang 1945-1990, Coburg 1999. Walter Schneier, Coburg im Spiegel der Geschichte – Auf den Spuren von Fürsten, Bürgern und Bauern, Coburg 1985. Emil Schuler, Die Bayerische Landespolizei 1919-1935, München 1964. Ludwig Ungelenk / A. Roßteutscher, Coburg im Weltkrieg 14/18, Coburg 1922. Alle Abbildungen stammen aus Privatbesitz (Helmut Götz, Manfred Schäffner, Jürgen Zesewitz, G. Eckerlein).


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Kategorien: Coburger Geschichte | Politische Entwicklung | Coburg und seine Polizei |

letzte Aktualisierung am 11.04.2012 12:38:44 von Karin Engelhardt


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