Zeitzeugen berichten

01.01.1919

Deutschlands ältester Radioverein - Der Ortsverband Coburg des Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. (DARC)

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58390 Die Amateurfunkstation EK4UAB (1928)

Deutschland-Treffen des DARC 1957: Begeisterte Amateurfunker auf dem Coburger Marktplatz
Die Geschichte des Amateurfunks ist recht jung. 1909 erhalten in den USA und Großbritannien die ersten Privatpersonen Lizenzen für den Sendebetrieb, in Deutschland im Jahr 1912. Bereits von Anfang an ist bei der Reichspost, heute bei der Bundesnetzagentur, eine Prüfung abzulegen, nach deren Bestehen dem Funker eine Lizenz erteilt und ihm ein Rufzeichen vergeben wird. Während des Ersten Weltkrieges kommen viele Soldaten in Kontakt mit der damals noch neuen Technik. 1919 gründete sich in Coburg der erste deutsche Radioverein unter dem Namen „Radio-Verein (e.V.), Studiengesellschaft für Elektrotechnik und Funkentelegraphie“. In den Anfangsjahren werden Sender und Empfänger gebaut. 1923 organisiert der Verein die „Große Coburger Funk-Schau“, 1924 erhält er seine erste Sendelizenz und das Rufzeichen KW5. Die Vereinsräume befinden sich damals in der Theatergasse 3. Später sendet die „Clubstation“ aus Coburg unter den Rufzeichen EK4UAB, K4UAB, D4UAB, heute unter DL0CG.

Eine der Hauptpersonen der damaligen Zeit ist der damalige Student, später international anerkannte Geophysiker und Ionensphärenforscher Prof. Dr. Walter Dieminger, ein begeisterter Amateurfunker. Auch der Coburger Rundfunkpionier Alfred Knauf, Patenthalter zahlreicher Erfindungen im Bereich der Röhrentechnik, gehörte zu den frühen Mitgliedern des Vereins.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges werden alle Lizenzen eingezogen, Sendegeräte sichergestellt. Der Coburger Radio-Verein wird 1936 aus dem Vereinsregister gelöscht. Schwarzsenden wird hart geahndet, z.T. mit dem Tode bestraft. Auch nach Kriegsende bleibt der Amateurfunk zunächst verboten, Sendegeräte waren erneut abzugeben.

Erst 1956 organisieren sich die Coburger Funkamateure in einem Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Club, der vom 2. bis 4. August 1957 das Deutschland-Treffen der Funkamateure mit ca. 600 Teilnehmern ausrichtet. Auf dem Flugplatz Brandensteinsebene (früher auch am Eckartsturm) betreibt der Verein heute eine Relaisfunkstation.
 

Hobby Amateurfunk

Die Technik und die Regularien des Amateurfunkbetriebs sind die eine Seite des Hobbys, die andere der Kontakt zu anderen Funkamateuren – und das weltweit über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Für eine Funkverbindung, ein sogenanntes „QSO“, braucht es immer zwei Funkamateure. Dabei ist es unerheblich, wie weit sie voneinander entfernt sind. Sie finden sich, indem sie auf den Funkbändern nach Signalen anderer Amateure lauschen. Weit vor dem Internet verfügten die Funkamateure so über ein weltweites – analoges und digitales – Netzwerk, das selbst vor dem Weltall nicht Halt macht: Verschiedene Amateurfunksatelliten umkreisen die Erde. Auch die Internationale Raumstation ISS verfügt über eine Amateurfunkstation. Zahlreiche Astronauten, darunter auch die Deutschen Ulf Merbold und Thomas Reiter, sind Funkamateure.
 
Für viele Funkamateure gehören das Sammeln von Verbindungen und die Teilnahme an Wettbewerben zum Hobby. In unzähligen Kategorien geht es bspw. darum, besonders viele, weit entfernte, seltene oder schwierige Verbindungen aufzubauen. Eine erfolgreiche Verbindung wird nach dem Austauschen der Rufzeichen auch heute noch oft mit einer sogenannten „QSL-Karte“, bestätigt. Diese Karten sind auf der Vorderseite oft mit lokalen Motiven geschmückt und werden über ein eigenes Verteilsystem weltweit ausgetauscht.
 
 

Aktivitäten im Lutherjahr

Zu besonderen Anlässen ist der DARC OV Coburg mit einem so genannten Sonder-DOK (Distrikt-Ortsverband-Kenner) auf den Funkbändern unterwegs. Im Lutherjahr 2017 sind sie mit dem Sonder-DOK „LUTHER“ sowie einer Sonderstation „500 Jahre Reformation“ mit dem Rufzeichen „DR5LUTHER“ auf der Suche nach weltweiten Verbindungen.
 
 

Faszination Funk

Die Radiofaszination des heutigen Vereinsvorsitzenden Heinz Holzberger begann bereits mit 9 Jahren. Mit seinem vom Mund abgesparten, selbst gebauten Detektorempfänger ließ sich der damals noch aktive Mittelwellensender Coburg auf 1602 kHz empfangen. Eines Tages hört Holzberger beim Drehen am Radio seiner Eltern zufällig einen Funkamateur – der saß im Nachbarhaus. Damit beginnt auch seine Faszination für das Hobby. Er beginnt in Coburg eine Lehre, legt 1967 die Prüfung zum Radio- und Fernsehtechnikermeister ab und macht sich 1973 mit einem Geschäft für Unterhaltungselektronik und Funktechnik selbständig: Holzberger & Koch, erster Sitz Steintor 20, heute Rückertstraße 3.
 
 

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Quellen

Karl-Heinz Holzberger (DC5WW), Deutscher Amateur-Radio-Club e.V. – Ortsverband Coburg.


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Kategorien: Lesebuch 8 "Luther, Medien, Pressefreiheit" |

letzte Aktualisierung am 01.04.2017 23:30:01