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Anna-B.-Eckstein-Anlage

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63553 Blick in die Anna-B.-Eckstein-Anlage aus Richtung Mohrenstraße

Gedenkschild in der Anna-B.-Eckstein-Anlage in Coburg Straßenschild „Anna-B.-Eckstein-Anlage“

Anna-B.-Eckstein-Anlage

von Dilara Ciray und Constanze Thim

Nach einer ausgedehnten Shopping-Tour im Kaufhof nimmt die Coburgerin gerne eine Abkürzung, um die schweren Tüten schnell ins nächste Parkhaus zu tragen. Direkt gegenüber dem Kaufhaus zweigt, etwas versteckt, von der Mohrenstraße, parallel zur Löwenstraße, die Anna-B.-Eckstein-Anlage ab. Sie stellt die direkte Verbindung zur Mühlgasse dar. Die Namensgeberin wurde 1868 in Coburg geboren. Sie besuchte die Mädchenschule. Hier lernte sie Englisch und Französisch. 1884 reiste Anna Bernhardine - dies verbirgt sich hinter dem B. - nach New York zu Verwandten. Es wird gemunkelt, dass eine „nicht standesgemäße Beziehung“ zu einem Adligen der Grund dafür war. Vielleicht nutzte das Mädchen aber nur die Möglichkeit, in Amerika Lehrerin zu werden.

In den USA kam die junge Frau mit der dortigen Friedensbewegung in Kontakt. 1899 fand die erste Haager Friedenskonferenz statt. Deren Ergebnisse enttäuschten Anna. Daraufhin trat sie in die American Peace Society ein. Deren Vizepräsidentin wurde sie 1905. Dieses Amt hatte sie sechs Jahre lang inne. Im Jahr 1909 kehrte sie nach Coburg zurück. Aufsehen erregte sie, indem sie bis 1913 in einem weißen Friedenskleid auftrat. So hielt sie Vorträge in zahlreichen europäischen Ländern. 1913 wurde Anna sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Grund dafür könnte unter anderem gewesen sein, dass die couragierte Frau vor Beginn des 1. Weltkriegs eine „Weltfriedenspetition“ auf den Weg gebracht hatte, die Millionen von Menschen in den USA und Europa unterschrieben. Den Krieg konnte sie damit freilich nicht verhindern. An dessen Ende verfasste sie das Buch „Staatenschutz-Vertrag zur Sicherung des Weltfriedens“. Die Friedenskämpferin arbeitete in der „Deutschen Liga für den Völkerbund“ mit. Sie engagierte sich für den Anschluss Coburgs an Bayern und kämpfte gegen den in Coburg rasch aufkommenden Nationalsozialismus. 1933 reiste Anna in die Schweiz. Von da an existieren kaum noch Informationen über sie. 1942 wurde ihre Schrift „Der Wille zur harmonisierenden Macht“ durch die NS-Zensur verboten. 1947 starb Anna Bernhardine Eckstein schließlich in ihrer Wohnung am Schillerplatz 4 in Coburg.

Ihre Geburtsstadt ehrte diese besondere Frau im Jahre 1987, indem die etwas verborgene Grünanlage, in deren Zentrum seit 1985 ein Brunnen plätschert, nach ihr benannt wurde.

 

Dieser Artikel wurde im Rahmen eines Schulprojektes von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Ernestinum (Abiturjahrgang 2016/18) im P-Seminar „Straßennamen“ unter der Leitung von OStRin Isolde Heilgenthal-Habel und unter Mitwirkung von Dr. Hubertus Habel erarbeitet. 


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Quellen

Habel, Hubertus: Coburg 1907: Leben in der Residenzstadt vor hundert Jahren (Coburger Stadtgeschichte, Bd. 7), Coburg 2007, Beilage, Kat. 29 a-d. Leis, Ulrike: Befreiung von der „Tyrannenherrschaft des Kriegsmolochs“- Anna Bernhardine Eckstein (1868-1947) - „Vorkämpferin für den Weltfrieden“ in: Franger, Gaby; Frey, Edmund, Maisch Brigitte: Seien Sie doch vernünftig! - Frauen der Coburger Geschichte, Coburg 2008, S. 160-164.


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Kategorien: Straßennamen

| Nach Frauen benannte Straßen |

letzte Aktualisierung am 26.01.2018 08:33:59